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Was hat sich in der Homöopathie seit Hahnemann geändert?  
          5o neue Argumente *, Homöopath zu sein, oder: warum uns Homöopathie unverzichtbar bleibt 
Motto: 
"Wüßte ich nicht, zu welcher Absicht ich hier auf Erden war -'selbst möglichst gut zu werden und umher besser zu machen, was nur in meinen Kräften stand'-..." 

(CK I Vorwort zur ersten Ausgabe 1828) 

* Dr. Burnett,  London 
(deutsch um 1900) 
nachgedruckt in: 
Fritz Gauß
Wie finde ich das 
passende Arzneimittel

Im zweiten Nachkriegsjahrgang des "Monatsblatt für Homöopathie und Lebenspflege" (1951 S. 40), auf seinem Titelblatt Dr. Hahnemanns Charakterkopf mit seinem scharfen Altersprofil, nach dem Bronzerelief des Pariser Bildhauers J.P. David d'Angers (1835), umrandet von "Similia similibus curentur" (1), wird ein Vortrag von Hrn. Dr. Breuninger vom 25.1.1951 besprochen: Besuch zufriedenstellend, Inhalt sehr interessant, sein Thema: was hat sich seit Hahnemann in der Homöopathie geändert? "Mit kurzen Worten gesagt, fast gar nichts. Das Prinzip ist geblieben, mag die Anwendung auch etwas verschieden sein." Beklagt wird die "Amerikanisierung" der Medizin, sprich: zunehmende Verwendung von Penicillin und Antibiotica. Dieses Urteil kann heute, vor allem nach dem Jubiläumsjahr 1996, nicht (mehr) unseres sein.

Dr. med. Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755-1843) (2) prüfte und beschrieb 97 homöopathische Arzneien: die letzte Fassung der "Reinen Arzneimittellehre" für 65 Mittel mit etwa 32.000 Symptomen, vorwiegend von Pflanzen, besteht aus dem Nachdruck letzter Hand von 1830 in sechs Bänden (Ndr. Heidelberg 1995). Von 1835 bis 1839 ließ Hahnemann "Die chronischen Krankheiten " als erweiterte zweite Auflage in fünf Bänden (für 46 Mittel, vorwiegend Metalle) erscheinen, erstmals 1956 wieder nachgedruckt (4. Ndr. Heidelberg 1988 u.ö.); 14 Mittel waren aus der RAML in die CK übernommen worden.
Das Therapeutische Taschenbuch von Bönninghausens (1846) listet 450 Homöopathica von Abies canad. bis Zizia aurea auf .-
Im heutigen
Synthetischen Repertorium von Horst Barthel/Will Klunker sind 1573 Arzneien (3) , in der deutschen Buchausgabe des Complete Repertory von Roger van Zandvoort 2120 Arzneien aus Pflanzen, Mineralien, Tierstoffen, pathologischen Stoffen für Nosoden und (seit dem Dampflyseverfahren) Organpräparate aufgeführt, verbreitet in Westeuropa, Indien, Sri Lanka, an einigen Stellen der USA und Südamerikas (4).
Im Leipziger Verlag des Mäzens und Apothekers
Willmar Schwabe (1839-1917) erschien 1921 Richard Haehls Abschrift der sechsten Auflage des "Organon"; der Heidelberger Haug-Verlag druckte 1992 und 1996 die textkritische Ausgabe dieser Auflage , von Dr. Josef M. Schmidt in einem californischen Safe aufgespürt (5).

Unverzichtbar ist diese Edition  für die erstmals hier beschriebenen  grundsätzlich veränderten

Potenzierungsverfahren (§61,238,246-248,270,280-282), lies: Q-Potenzen.- Inzwischen gibt es eine Organon-Synopse aller sechs Auflagen von 1810 bis 1842, hrsg. Matthias Wischner.- Gefördert vom Konzernchef Robert Bosch (1861-1942)  (6), sammelte der Kirchheimer Dr. med.hom. Richard Haehl (1873-1932) (7) Hahnemanns Nachlaß in Stuttgart; er ließ in seinem 58 seitigen Vorwort zum 'Organon' den seither unendlich oft zitierten Satz "Macht's nach, aber macht's genau nach!" (vgl. RAML III 5) erscheinen.- 1922 kam seine zweibändige Hahnemann-Biographie  (unter Mitwirkung von Karl Schmidt-Buhl) in Leipzig heraus, 1924 Schwabes homöopathisches Arzneibuch, 1939 die 837 Seiten von  Rudolf Tischners "Geschichte der Homöopathie" (8), darin S. 346-363 die damals bekannten 160 Veröffentlichungen Hahnemanns. 1943 nahm der Schweizer Arzt Rudolf Flury-Lemberg (1903-1977)  die veränderten Potenzierungsanweisungen des §270 Org.VI  ernst und stellte mit Hilfe  der Krankenschwester seiner gerade geborenen Tochter Q-Potenzen her (9). Von der Schweiz aus wurden sie z.B. durch Dr. Adolf Voegeli weltweit vorgestellt (10). Ebenfalls nach dem  Krieg entzifferten Dr. Heinz Henne (1923-1988) und Frau Helene Varady die ersten Bände von Hahnemanns 54 (37 deutschen und 17 französischen) handschriftlichen Krankenjournalen (11). 1965 wurde der handgeschriebene Brief Hahnemanns an  Josef Baptist Graf  v. Paar ( 1780-1839 (Goethes Logenfreund, Adjutant von Karl Philipp Fürst zu Schwarzemberg, datiert auf 5.Juli 1821, Inhalt: der "Sieger der Leipziger Völkerschlacht" hatte 1820 persönlich Dr. Hahnemann in Leipzig konsultiert) von Prof. Alberto Lodispoto veröffentlicht (12).  Nach der deutschen Vereinigung fand sich in der durchnäßten Leipziger Universitätsbibliothek das (bisher nur auszugsweise bekannte) vollständige Manuskript "Homöopathische Heilkunde der Hausthiere" für einen Vortrag Hahnemanns (13). Das Stuttgarter IGM beherbergt etwa 5.500 Patientenbriefe an und von Hahnemann. Eine Sequenz von neun Briefen Hahnemanns an seine Patientin Frau Wiesike (vom 3.7. 1833 bis 29.3.1835) wurde 1991 vorgestellt (14). Schon 1989 war das Original von Hahnemanns "Kant-Brief" vom 30.1.1811 publiziert worden (15). Den freundschaftlichen  Hahnemann findet man in seinem (von Martin Stahl 1997 historisch-kritisch  edierten) Briefwechsel mit Clemens Franz Maria v. Bönninghausen (1785-1864): zwischen 1830 und März 1843 insgesamt 41 Briefe Hahnemanns und vier Briefe Bönninghausens; nach ihrem persönlichen Zusammentreffen anläßlich Hahnemanns Doktorjubiläum am 10.8.1833 siegelte Hahnemann sein einzigartiges Zeugnis für seinen gleichgeachteten Kollegen und Freund: "... und könnte mir nicht helfen, ich mich keinem Arzte, außer ihm, anvertrauen würde." (16)
Gesammelte kleine Schriften Hahnemanns in historisch-kritischer Fassung  auf 895 S. für 226 kleinere Titel aus den Jahren 1775 bis 1842 (GKS) versammelten
Josef M. Schmidt und Daniel Kaiser 2001.
Dr .
Otto Leeser (1888-1964), von 1949 bis 1955 ärztlicher Direktor am RBK in Stuttgart (17), und nach seinem Tod eine Ärztegruppe um Dr. Martin Stübler (1915-1989) (18) erarbeiteten das Lehrbuch der Homöopathie in fünf Bänden (Grundlagen sowie A: Mineralische Arzneistoffe, B: Pflanzliche Arzneistoffe, C: Tierstoffe) für 729 Mittel. Nach diesen Patriarchen  legten zwei Generationen später und um Erfahrungen und Verluste reicher Th. Genneper / A.Wegener et al. ihre Fassung 2001 vor (19).

Wir haben seit 1978 das amtliche HAB 1 (Teil des DAB 8). Gültig ist heute das vom BMG am 12.5.2000 veröffentlichte HAB 2000 für D-, C- und Q-Potenzen. Die alte Vorbehaltsklausel, Homöopathie sei wissenschaftlich nicht anerkannt, erklärte der BGH am 23.6.1993  für unwirksam. Die Homöopathie ist als eine besondere Therapierichtung im Sozialgesetzbuch SGB V ausdrücklich den anderen Methoden gleichgestellt worden.
Es gab noch nie so viele Ärzte (etwa 291.200) und  Heilpraktiker (über 19.000) in Gesamt deutschland (20). Die Anzahl der Fertigarzneimittel gibt die Rote Liste 2003(2004)   mit 7.251(6.984)  chemisch definierten Präparaten an, dazu 1.069(952) pflanzliche, 416(386)  Enzym- und Organmittel
und 713(670)  Homöopathika. PolitikerInnen und LobbyistInnen streiten um eine verkleinerte sog. Positivliste und verringern  die Anzahl der zugelassenen Medikamente, vor allem zu Lasten der Naturheilkunde (s. die amtlichen Löschlisten zum Herunterladen im Netz unter www.bfarm.de ). Man vergegenwärtige sich diesen Verlust am

Beispiel der noch aktuell lieferbaren Nosoden !



Nachweis und Lehre

Homöopathisch potenzierte Arzneien sind heute als D-Potenzen naturwissenschaftlich nachweisbar (21). Schon 1973 (22) hatte J.Boiron den Nachweis der Hochpotenzwirkung von Kupfersulfat an Pflanzen (Wasserfarn/Salvinia natans) in Lyon vorgestellt. Eine preiswürdige Methode, Hochpotenzen wie Thuja und Medorrhinum im Labor nachzuweisen, präsentierte Fr. Maria Gerber 1999 (23). Die Frage "Ist Homöopathie nachweisbar?" kann von Gutwilligen also nur bejaht werden. Arbeitskreise für Homöopathie (und Naturheilkunde) an den medizinischen Fakultäten entstanden aus Studenteninteresse (z.B. in Tübingen) und wurden von homöopathischen Ärzten gefördert (z.B. von Dr. Walter Hess /1913-2002). Besonders populär wurde Frau Dr. Veronica Carstens (24). Prof. Dr. Hugbald Volker Müller (1921-2000), Köln, bereicherte ganz unkonventionell die Similefindung durch Fragen nach selbsterzählter Lebensgeschichte, Lieblingsfarbe und Beobachten der Handschrift (sog. Psychoanamnese), beginnend 1986 mit Sepia, zu dem Preußischblau gehört . 

Mit  Schreiben vom 12.6.1986 informierte das damalige Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit, daß in den Prüfungskatalog des 2. ärztlichen Abschnitts "Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen von Naturheilverfahren einschl. Homöopathie" aufgenommen werden. 
Die deutschen Heilpraktikerverbände legten im Sinne des Qualitätsmangements gemeinsame, für den gesamten Berufsstand gültige Therapie-Richtlinien vor; nach ihnen werden Aus- und Fortbildung zertifiziert: der BGH beschrieb in seinem Urteil vom 29.1.1991 die Pflicht der HeilpraktikerInnen, sich eine ausreichende Sachkunde über die von ihnen angewendeten Behandlungsmethoden anzueignen; sie dürfen nur solche Verfahren anwenden, über die sie ausreichendes Fachwissen erworben haben. Die Gesundheitsministerkonferenz der Bundesländer verlangt eine einheitliche Gesundheitsstrategie für das deutsche Gesundheitswesen und schließt ausdrücklich HeilpraktikerInnen ein; verlangt wird eine qualitätsgesicherte Medizin aller, auch der sog. unkonventionellen Methoden. Die Präsidenten der sechs Heilpraktiker-Verbände unterzeichneten daher am 5.2.2000 die "Richtlinie für die Vergabe von Qualitätsnachweisen in Diagnose- und Therapieverfahren"; in ihr werden Aus- und Weiterbildungsgrundlagen für die Homöotherapie beschrieben (siehe im Netz unter www.heilpraktiker.org ). 
Für ÄrztInnen legte die Bundesärztekammer eine Musterweiterbildungsordnung (MWBO) vor; die Landesärztekammer Baden-Württemberg spezifizierte den Inhalt der Weiterbildung in Sachen Homöopathie (Zeit, Inhalt, Richtzahlen) am 1.10.2003 usw. In den Debatten darum wird derzeit der Grad des Facharztes vorausgesetzt (was es für Ärztinnen immer schwerer macht, Familiengründung und Ausbildung zu vereinbaren) (siehe im Netz unter www.homoeopathie-welt.de ). 

 Die Anthroposophen unterrichten in Witten/Herdecke schon seit Jahren Homöopathie auf Universitätsniveau. Zwar mußte er 50 Jahre warten und fast 90 Jahre alt werden, aber dann erhielt angesichts des Verdrängungswettbewerbs Dr. Rudolf Fritz Weiß ( 1895-1991)  einen Lehrauftrag für Phytotherapie an der Universität Tübingen (ab WS 1984/85) (s. Anm.24). 

Die tuberkulinischen Gespenster, ewig "Nein!" sagend ,  erscheinen zuweilen riesig: der Streit um eine Stiftungsprofessur in Mainz geht auf keine Kuhhaut - aber inzwischen haben 22 deutsche medizinische Fakultäten regelrechte naturheilkundliche Seminare; den ersten Lehrauftrag für Allgemeine Medizin und Homöopathie hat seit April 1982 Dr. K.-H. Illing inne (25). In Berlin hat Prof. Malte Bühring diese Aufgabe ausgefüllt; am Ulmer Klinikum leitet Prof. Th. Peters das Institut für Naturheilkunde, bes. für Pflanzenforschung; vergleichbare Projekte gibt es in München bei Dr. D. Melchart , im Münchener Institut für Ostasienkunde ist außerdem Prof. Manfred Porkert zuständig für theoretische Grundlagen der chinesischen Medizin (26). 

Ausgehend von der modellhaften "Gießener Schmerz-Ambulanz", unterrichtete Prof. Horst F. Herget  (1929-2001) Phytotherapie und TCM (27). Das vierteilige Berner Modell eines Lehrstuhls für Komplementärmedizin (Homöopathie, TCM, Neuraltherapie und anthroposophische Medizin)  zeigt praktische Arbeit im Rahmen von Konsilien und Studien an Polikliniken (28). 

Die Gastvorlesungen an der Universität Rostock konnten nach fast sieben Jahren Vorbereitung zu einer Stiftungsprofessur für Naturheilkunde ausgebaut werden, gefördert u.a.vom Verleger Dr. Ewald Fischer (29). Die Bestrebungen, Homöopathie an deutschsprachigen Universitäten einzubürgern, sind inzwischen dissertationswürdig (30). 

Die Geschichte der deutschen homöopathischen Krankenhäuser bis 1918 hat Heinz Eppenich  beschrieben (31). 
Die (ver-)öffentlich(t-)e  Meinung nahm Partei für die "sanfte Medizin" (32). 

Der 4. Zivilsenat des BGH verkündete am 10.7.1996  ein für die Kostenerstattung von Naturheilverfahren günstiges Urteil (33). 

Am 9.Dezember1996 erhielt George Vithoulkas, weder Arzt noch Heilpraktiker, von der privaten Stockholmer  Stiftung "Right livelihood" den sog. Alternativen Nobelpreis für seinen Beitrag zur Belebung der klassischen Homöopathie. (33a..)

Trotz wachsender Krankenhauskosten eröffnete eine neue Klinik für Naturheilverfahren mit 15 Betten in Hattingen (34). Unter der Schirmherrschaft von Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer fand Mitte September 1998 in Frankfurt/M. der 1.internationale Homöopathie-Kongreß für chronische Krankheiten statt  (35). Und Hahnemanns zweite Ehe wurde als Taschenbucherzählung zum Bestseller (mit in Stuttgart nachgeprüften Originalzitaten) (36). 

Wir stehen heute also auf den Schultern von Riesen (37). 

Homöopathie ist uns (mit Ausnahme der Tiefpotenzen von Acon, Aristol., Bell., Nux vom. usw.) rezeptfrei zugänglich, als  Einzel- und Komplexmittel, als Dilutio, Globuli, Ampullen, Tabletten, Trituratio, Salben, als D-,C- und Q(LM-) Potenzen. Homöopathie zu verbreiten wird heute nicht mehr grundsätzlich bekämpft (die sog. Marburger Erklärung vom Dezember 1992 verstößt gegen hessisches Dienstrecht). 

Wir waren von Veränderungen ausgegangen. Verändert hat sich im Verlauf dieses Jahrhunderts die Gestalt der Erkrankungen: weg von entzündlich verlaufenden Mangelerkrankungen hin zu chronisch-degenerativen Erkrankungen (oft des Überflusses) einschließlich Krebs (38). Und die weltweit nach 1945 beobachtbare Akzeleration in der Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen muß noch dazu bedacht werden. 
Gleichzeitig versinken wir bei allgemein zunehmenden physikalischen und chemischen Belastungen von Boden, Wasser, Luft und Muttermilch in einer Unmenge von Detailkenntnissen, werden Erreger resistent und überspringen Gattungsgrenzen (39). 
Wir sind Zeitzeugen eines globalen "Faunenschnitts", wir selber mit unserer Zahl und unserem Verhalten wider besseres Wissen veranlassen diesen Artenselbstmord. Dabei stehen die
Notausgänge
-* z.B. Netzwerke wie Reformhaus-Bewegung, fairer Handel fairtrade, langlebige Konsumgüter,  Baubiologie für Passivhäuser usw., 
-* Bestandsaufnahmen wie "Global 2000", Bericht "Das Überleben sichern" der Nord-Süd-Kommission unter Friedensnobelpreis- Träger Willy Brandt und global geplantes "Kyoto-Protokoll" der Emissionsreduzierung nach der Weltkonferenz in Rio de Janeiro (1992), 
-* Debatten um Nachhaltigkeit nicht nur in Wuppertal und Nairobi usw.(40) 
scheunentorweit offen: als Agrarbeispiel nenne ich die blühende Bio-Farm Sekem (Nord-Ägypten) und ihren Gründer Dr.
Ibrahim Abouleish , ausgezeichnet mit dem Alternativen Nobelpreis 2003. 
Es mutet absurd an: wir werden diese Möglichkeiten schlicht nicht verwirklichen (41). 

Konkret ist für Homöopathen faßbar: 
-seltene Ausgangssubstanzen wie Ambra grisea oder Sanicula aqua gehen verloren, Ausgangssubstanzen  für Bryonia, Hekla lava, Murex purpurea oder Latrodectus mactans werden fragwürdig, Causticum Hahnemanni enthielt Kalilauge, moderne Mittel dieses Namens enthalten aber Ammonium, die Vorschrift 17 des HAB 1 für Q-Potenzen entspricht nicht Hahnemanns Anweisung in §270 Org.VI (42). 

-Nach Hormongaben oder Cortison in Dauergebrauch spricht Pulsatilla nicht an , die Nosode Psorinum versagt heute bei Kents zweiwertigem (Kent II 148/ComplRep 2771) Symptom "muß kratzen, bis es blutet" (43). 

-Während Leesers Lehrbuch der Homöopathie, Teil B I S.739-748, von 1973 Aristolochia clem. noch ohne Nachteile als umfassendes Heilmittel beschrieb, mußte Dr. R.F. Weiß in der 6.Auflage seines Lehrbuches der Phytotherapie von 1985  S.287-288 schon "Cave!" gleich hinter den Pflanzennamen drucken lassen und auf die Debatte um angeblich krebserregende Aristolochiasäure verweisen. (Deutsche Apotheker-Zeitung 122/1981/1330-1333). Die Osterluzei ist seither als Humanarznei in Deutschland erst ab der D 11 zugänglich. Mit Blick auf immer feinere Untersuchungsverfahren beschreibt Dr. Weiß die Diskrepanz so: "Während einerseits viele Lebensmittel  theoretisch als schädlich zu bezeichnen sind, hat doch die Lebenserwartung der Menschen in der letzten Zeit immer mehr zugenommen." (ebda S.288) 
Die Diskussion über die mögliche canzerogene Wirkung der Pyrrholizidin-Alkaloide, zuerst bei Symphytum off./ Beinwell in den 1980er Jahren beschrieben (ebda S.411), läßt uns nicht los: während es der Fa. Schoenenberger gelang, eine PA-freie Tussilago-Spezies zu züchten (sodaß Huflattich weiterhin im Hustentee berechtigt ist), hat das schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic im Januar 2004 die Zulassung für zwei Petasites-haltige Fertigarzneien wegen Leberschädigung widerrufen (siehe Pharmazeutische Zeitung 149.Jg./ 19.2.2004 S.542). Diese Anmerkung konnte beim Druck der Roten Liste 2004 Nr.61001 und 77005 nicht mehr berücksichtigt werden. Dabei weiß der Kräuterkundige, daß die Wirkstoffe von z.B. Petadolex durch CO 2 gelöst sind, das schmerzstillende Präparat also gar keine PA enthält.
Nachgewiesen durch Prof. Lothar Wendt (1907-1989), begründet massive Übereiweissung die Entwicklung von chronischen Defiziten und Süchten. Das von Prof. Alfred Pischinger beschriebene System der Grundregulation meint insbes. die Organisation des weichen Bindegewebes einschließlich extrazellulärer Flüssigkeit (Zelle-Milieu-Komplex); Grundregulation ist das Ziel einer ganzheitlichen Therapie (z.B. Mesenchymfaktor M) und muß entgiftet bzw. ausgeleitet werden, um selbsttätig ausheilen zu können, z.B. durch Fasten (s. Karl Stephan in Anm.44 ! Dr. Hahnemanns Polemik gegen barocke Ausleitung ist hiermit gegenstandslos geworden). 
Das Paracelsische Ideal "Lebensmittel sind euch Heilmittel" wird aber global durch Überbevölkerung und Saatgutoligopole und hier in Westeuropa durch Industriefertigprodukte und mangelhafte Deklarierung verfälscht bis hin zur Entartung: ein Heilungshindernis ! Nur zwei handgreifliche Proben: 
- wir leben seit dem Medizin-Nobelpreis für
Stanley Prusiner : krankmachende Prionen sind im Muskelfleisch nachweisbar, Ausweg: Vegetarismus ? 
- das am längsten untersuchte
Lebensmittel Saccharose (45) stärkt mißbräuchlich die Tendenz "zu viel, zu fett, zu süß", es ist in ungezählten Produkten versteckt, nicht nur in Joghurt oder Ketchup. 
Der Holländer
Joris Ivens (1898-1989) setzte mit seinem Weizenfilm "Neue Erde" (1934) einen hohen Standard; 1980 bot Peter Kriegs Streifen "Septemberweizen" das Material für die Einsicht "Der Mensch stirbt nicht am Brot allein. Vom Weizen zum Brot zum Hunger" (46). Das dort auf S.290-293 vorgestellte Beispiel der chinesischen "eisernen Reisschüssel" für besiegten Hunger ist 2004 schon kein Vorbild mehr. 
Einsicht ? 
"
Das haben wir nicht gewollt. Sinn und Tragik der Naturwissenschaft " (Johannes Hemleben 1978). 
Die Nobelpreisträger in ihrer Kundgebung auf der Insel Lindau/Bod. vom 15.Juli 1955: 
"Mit Freuden haben wir unser Leben in den Dienst der Wissenschaft gestellt. Sie ist, so glauben wir, ein Weg zu einem glücklicheren Leben der Menschen. Wir sehen mit Entsetzen, daß eben diese Wissenschaft der Menschheit Mittel in die Hand gibt, sich selbst zu zerstören!" (47) 
Am Ort jener Kundgebung, dem Lindauer Theater, erinnert heute eine Plakette an jene Fehleinschätzung, die nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Man vergegenwärtige sich Hahnemanns Zeitgenossen
Justus Liebig (1803-1873), seit 1845 Frhr.v. Liebig, der mit künstlicher Düngungszugabe unverwandelter mineralischer Stoffe  (also ohne Rücksicht auf Kreisläufe) die moderne Agrikulturchemie ermöglichte - mit allen heute erkennbaren Schäden für Pflanzen und Bodenfruchtbarkeit. 
Vegetationsschäden durch 10 hoch minus 15 Exhalation der Textilfärberei in Nordrhein-Westfalen dokumentiert H.Schönbeck (48). Dagegen kann ein pestizidfrei erzeugtes T-Shirt aus Baumwolle 7 qm Acker fruchtbar halten. 
Soweit homöopathischer Schutz gegen Atomschäden überhaupt möglich ist, finde ich bei 
-* Dr.
Heinrich Honegger (s.u. Anm.114) S. 98-99: Antimon. hom. 
-* AHZ 1963,334: laut japanischer Erfahrung Phos. D12 
-* Dr.
Walter Schmidt (1967): Radium bromat. Hochpotenz nach Röntgen-Neuritis, Strahlenschädigung durch  Fallout von Strontium 90 ähnliches Vorgehen in Form von Strontium carb. D 1.000 
-*
Daniel Samuel Rawson (49) empfahl Bleisulfid, hergestellt aus einer Triturat. C6 
-* WALA-Infoblatt 23/Dez.1986,5: man probiere Solum uliginos. comp, Fucus vesic., Spongia D15, Lien/Plumb. D4/D30, Mesenchym comp., Calc-c. comp. 
Die meisten schweigen aber vor und nach Tschernobyl (hilflos?) . 
In einem aktuellen Report über Ethnobotaniker im ecuadorianischen Andenurwald, wo neue
Arzneipflanzen für Weiße gesucht werden und wo schon Hahnemanns Zeitgenosse Alexander v. Humboldt (1769-1859) auf seiner Südamerikareise 1799-1804 vorbeigekommen war, heißt es: damals sei die Fähigkeit zur globalen Bedrohung oder Zerstörung noch nicht vorhanden gewesen; heute sei diese Gegend sichtbar hochgradig bedroht. Und weiter: 
"Humboldt war der Erste, der den Begriff der Nachhaltigkeit  einführte. Und der eine Art Netzwerk der Information aufbaute. Er fragte: Was sind Entdeckungen, was ist Wissen wert, wenn man es nicht verbreite? Seine Welt war vernetzt, über alle Kontinente hinweg. 50.000 Briefe soll er geschrieben haben. Er hatte es eilig, was er an Wissen gesammelt hatte, festzuhalten und zu veröffentlichen. Er war überzeugt, dass in dem Maße Glück in der Welt herrsche, in dem es gelinge, Wissen unter der Menschheit zu verbreiten. Nicht der Furor des technischen Fortschritts stand im Vordergrund, nicht das Wie, sondern in einer Rückbindung an die humane Tradition das Warum. Forschung und Wissenschaft nicht als l´art pour l´art, sondern als Vehikel zur Befreiung und Menschlichkeit. Seinen "Kosmos" legte er bewußt allgemein verständlich und populärwissenschaftlich an. Seine berühmten Vorträge in der Berliner Sing-Akademie für breite Bevölkerungskreise gelten bis heute als eine Sternstunde der Popularisierung von Wissenschaft." (50). 

Bedarf die klassische Homöopathie diätetischer Hilfsmaßnahmen ? 
Dr.
Herbert Fritsche (1911-1960), Autor u.a. von "Der große Holunderbaum",  zählte (51) prominente Stimmen pro und contra auf, meinte aufgrund eigener Erfahrungen, Hochpotenzen würden durch Diätfehler nicht beeinträchtigt, Hahnemanns Org.VI§260 sei schlechthin unerfüllbar, und schließt: "Die klassische Homöopathie bleibt also angesichts der bedenklichen Lage, in die der menschliche Bios heute unausweichlich geraten ist, unsere große Hoffnung und Zuversicht. Sie ist gezielte, individualspezifisch abgestimmte Kunstheilung, hat aber darüber hinaus noch eine unspezifische prophylaktische Wirkung." 
 
 

Heilungshindernisse meiden 

"...sie zu gewöhnen, mehr durch gute Lebensordnung als durch Arzneyen die Krankheiten zu entfernen,..." (GKS 428) 

Heilungshindernisse (ORG VI § 260) müssen in den 90er Jahren zum Schwerpunkt der Berichterstattung werden, z.B. in Ztschr. "Biologische Medizin" H. 3/Juni 1991 oder "Erfahrungsheilkunde. Acta medica empirica" Bd.48/1999 H.3. In seinem Vorwort dazu verweist Dr. Gebhardt   auf die Ergebnisse der  Medizinischen  Woche Baden-Baden und das  Journal  der American Medical Association (JAMA)  (52), wonach etwa 100.000 Amerikaner wegen gravierender Arzneinebenwirkungen jährlich sterben. Diese fatalen Folgen unerwünschter Mittelwirkungen sind damit die viert- bis sechsthäufigste Todesursache in den USA.  Hierzulande werden freiwillig 8-16.000 Arzneitote gemeldet,  Prof. Frölich , Hannover, vermutet (2003) bis zu 57.000 Tote (53). 

Die Zahl der Homöopathie-Hersteller nimmt in den 90er Jahren ab; in seinem Leipziger Vortrag "Naturheilkunde auf dem Scheiterhaufen moderner Hexenverfolgung" gibt Volker H. Schendel folgende zusätzliche Zahl bekannt: "Durch das Verlängerungsverfahren  waren damit schon Ende 1994 72.818 Arzneimittel der Besonderen Therapierichtungen vom Markt verschwunden." (54) 

Die unheimlich eifernden Kämpfe zwischen Tief- und Hochpotenzlern sind (und bleiben hoffentlich) vorüber. Vorbei ist  auch ein geheimnisumwabertes Abkürzen zur Mittelfindung, besonders bei Gebrauch von Hochpotenzen (55); überhaupt haben spezielle Potenzempfehlungen in Büchern keinen Bezug zur individuellen Reaktionskraft während ihres Krankseins (so schon in ORG VI § 278). 
Veröffentlichungen sollten lesbar geschrieben und nachprüfbar sein, ein neues Kapitel, nämlich ein wissenschaftliches, forderten Kritiker einer neuen Generation wie Dr. K.-H. Gebhardt, Karlsruhe, 1959: "Was erwarten wir jungen Ärzte von der Homöopathie?" (56). 

Wir stehen auf den Schultern von Riesen. Und gegen Dummheit kämpfen selbst die Götter vergebens. 

Elektrotesterei und Scientology konnten nur eindringen, weil wir es zulassen. Wenn eine Patientin der Mode des Austestens nachläuft, sich z.b. in Lahr/Bad. zweieinhalb Stunden lang Fingerendpunkte drücken läßt und allein (damals) dafür 600,-DM berappt (was in keiner GebüH vorgesehen  ist und eher für Unkenntnis der Materia medica spricht), obwohl seit Dezember 1993 in Salzburg bzw. seit Anfang 1994 in der Literatur (57) bekannt ist, daß jene Geräte und ihre glänzenden Handgriffe gar keine Schwingungen aufnehmen (wegen der körpereigenen Handwärme), dann ist das eitel Haschen nach Wind, ein teures Lehrgeld! 

Auf den Schultern von Riesen erscheinen manche Zwerge unwiderstehlich groß. Zu den Heilhindernissen  unserer modernen Hektik dürfte die "Nemesis der Medizin" (Ivan Illich) beitragen, in deren überreguliertem Versicherungswesen  Ärzte das Gespräch mit ihren  Patienten wieder lernen müssen (58), denn Remissionen sind "hart erkämpfte Wunder" (59). 
So läßt das Versagen auf vielen Ebenen Arzt und Patient als Opfer eines krankmachenden Systems erscheinen.
Spontanremissionen besprach daraufhin ein internationaler Kongreß der Deutschen Krebsgesellschaft Heidelberg gemeinsam mit der Psychosozialen Nachsorge; auch das ZDF-Magazin "Praxis" dokumentierte am 9.7.1997 drei deutsche Patienten. Allen diesen Patienten ist gemeinsam: Achtsamkeit und radikal geänderter Lebensstil. 

Barock üppige Blutentziehung durch (häufige Aderlässe und) Blutegel kritisierte Dr. Hahnemann (in Org.VI§74,148, CKI 174), weil die dynamisch gestimmte Lebenskraft dadurch unersetzbar gehemmt werde. Aber hygienisch einwandfrei und individuell angepaßt, zeigten Heinz Bottenberg (1932), Karl-Otto Kuppe (1955) und Ingo Wilhelm Müller (2000) (für die ärztliche Praxis) und ungezählte HeilpraktikerInnen (namentlich sei Fr. Karla Moser, Schorndorf, hervorgehoben), daß Hirudo medicinal. mit seinen Inhaltsstoffen Hirudin, Calin, Hyaluronidase, Eglin, Prostaglandin, Kollagenase usw. heilsam auf Gefäßerkrankungen und schmerzende Gelenke einwirkt; lokale wie systemische Effekte sind beschrieben, verglichen am Lequesne-Index und einer visuellen Analog-Skala. 
Wer im Westen konnte sich vorstellen, daß pulverisierte Egel/chin. shui zhi als drastische Teebestandteile im Klassiker "Shang han lun" des Arztes (und Bürgermeisters von Changsha) 
Zhang Zhongjing (150-219 p.Chr.) zu finden sind (in cl.124 Rezept Di dang tang zur Blutstasebeseitigung bei Tobsucht) ? 
Blutvergießen wollen wir alle vermeiden; Eigenblut (stofflich in Tropfen oder injiziert, homöopathisch potenziert oder als Auto-Sanguis-Stufentherapie nach Reckeweg usw.) senkt überschießende Reaktionen und stimuliert Immunität; das Lehrbuch zur Eigenbluttherapie schrieb Koll.
Harald Krebs 1990 (4.Aufl.1999). 
Dr.J.R.
Raeside, London, veröffentlichte vor 40 Jahren eine internationale Arzneiprüfung mit Hirudo C6 (60). 
Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei in Tübingen sammelte seit 1991 aus über einer
Million Blutspendern StammzellspenderInnen für über 5.500 Leukämiekranke; seit 2004 soll die zweite Million zusammengebracht werden (siehe im Netz unter www.dkms.de ). 
Dr. Hahnemann äußerte sich nicht über seinen zeitgenössischen Augenarzt
Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817), der über zweitausend Staroperationen ausführte, unentgeltlich zumeist und erfolgreich. 
Dr. Hahnemann bemerkte auch nichts über die Vorurteile, warum Frauen angeblich nicht studieren könnten, dabei war
Dorothea Leporin (1715-1762), verh. Erxleben, aus Quedlinburg die erste promovierte deutsche Ärztin; der Titel ihrer Dissertation: "Academische Abhandlung von der gar zu geschwinden und angenehmen, aber deswegen öfters unsicheren Heilung der Krankheiten" (1754). Heute erinnert eine Gedenktafel am restaurierten Haus Steinweg 51, ihrem Geburts- und Sterbehaus, in Quedlinburg (deutsches Weltkulturerbe) an sie. Und weil wir schon in Quedlinburg sind, das um 1759 etwa 7.500 Einwohner hatte, erwähne ich auch den dortigen Reformpädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths (1759-1839) mit seinem Hauptwerk "Gymnastik für die Jugend" (1793). 

Den letzten Organon-Paragraphen §291 widmete Dr. Hahnemann der Hydrotherapie als theils palliativem, theils als homöopathisch dienlichem Beihülfsmittel für akut wie chronisch Kranke; Hahnemann hob dabei auf Erwärmung und Tonuserhöhung ab (s. Konrad
Hötzer, Hahnemann und Kneipp, in:AHZ 1972 H.5). War ihm der Sudetendeutsche Vinzenz Prießnitz (1799-1851) in Freiwaldau- Gräfenberg mit seiner Kaltwasserbehandlung unbekannt ? Obwohl vom Landphysikus wegen Kurpfuscherei angeklagt, half Prießnitz mit seiner Wasserkur  (nachdem ihm einen Badeschwamm anzuwenden verboten worden war) einfachen wie hochgestellten Kranken, erhielt einen kaiserlichen Orden und Auszeichnungen der Wiener Universität, erbaute und leitete eine Kuranstalt: 1833 zählte er 1700 Kurgäste, darunter 120 Ärzte. 
Planvoll verband Prießnitz Schwitzen und Umschläge mit frischem Wasser, Bewegung in frischer Luft und Diät, abschnittsweise solle der Körper gewaschen und trocken gerieben werden. Ungeeignet für seine Kur hielt er Patienten mit Tbc, grauem Star, Lebererkrankungen, Bauchwassersucht, Herzfehlern, Krebs, Epilepsie, Lähmungen oder eingeklemmten Brüchen. 
Als gleichbedeutend wie Wasser führte
Theodor Hahn (1824-1883) den Vegetarismus ein. 
Der Fuhrmann
Johann Schroth (1798-1856) aus Lindewiese am Fuß des Gräfenbergs über Freiwaldau setzte feuchte Wärme als Therapieprinzip (in Form von Dunstwickeln) ein, neben Fasten intervallartig (an Trockentagen) sogar ohne Getränk, danach Kurdiät; Schroths Sohn Emanuel legte dafür das sog. Kur-Regulativ fest, das noch heute (in Oberstaufen/Allgäu und Obervellach/Kärnten) gebräuchlich ist. 
Mit Verweis auf Wörishofen (seit 1920 Bad) und die Schwäbische Bäderstraße muß der Priester und Wassertherapeut
Sebastian Kneipp (1821-1897) mit seinem Gießkännle, angeregt vom Schweidnitzer  Dr. Johann Sigmund Hahn (1696-1773) ,  nicht eigens vorgestellt werden. Um 1845 gab es in Deutschland ungefähr 80 Wasser-Heilanstalten. 
Und die Salzburger Hausfrau
Maria Schlenz (1881-1946) ließ ihren lymphknotenkranken Kindern/Patienten ein Überwärmungsbad (mit Alpengräsern und Birkenblätterspitzen) ein, wobei sie die Lärchenholzwanne mit einem Holzbrett zudeckte - was sollte sie im Krieg auch  sonst zum Isolieren tun ? Dr. Wilhelm Devrient  (61) nahm diese Methode für seine Rheumapatienten (zur Prävention und im Rahmen der Rehabilitation) auf und schrieb darüber; heute werden solche Kranke (in Bad Rappenau etc.) in ubootförmigen Gehäusen an Medizintechnik angeschlossen usw., selbstverständlich nur unter ärztlicher Verantwortung. Mundus vult fraudi. 
"Was hilft der Kuh Muskatnuß, sie frißt Haferstroh." (62) 

Dr Hahnemann verurteilte also kompromißlos "Schwächungs-Curen durch Säfte- Vergeudung" (RAML III 112-113) und lobte die sehr kleinen Gaben wie bei jeder vernünftigen Heilung; er bezog (in Org.VI§208) Arbeit und Lebensverhältnisse (bzw. Krankenstall bei den Tieren laut GKS 895) als mögliche Verschlimmerungsfaktoren in die Anamnese mit ein. Dr. Hahnemann gewann dem Bubenturnen zwei Aspekte ab (und zitierte den Römer Juvenal):  Gewandtheit und Stärke, die "die Thätigkeit des Geistes in Erlernung der Wissenschaften unterstützen, nach dem Beispiele der besten Zeitalter der alten Griechen und Römer, ut sit mens sana in corpore sano" (Zweites Zeugnis Über das Turnen 1832) (63) . 
Die sportliche Tüchtigkeit der Griechinnen (insbes. Spartanerinnen) und Römerinnen war dem nachrevolutionären biedermeierlichen 19. Jahrhundert nicht geläufig. 
Und noch etwas kritisieren wir heute unter dem Aspekt der Menschenrechte in Freiheit: die Sansculottes der französischen Revolution verbreiteten ihre Pantalons ; das
Korsett, unsere Mütter und Frauen einschnürend ("die unzweckmäßigen Spencer" GKS 418), wurde von der unheiligen Reaktion weiterhin erzwungen; ein Reformkleid wurde erst Generationen nach 1848 durchgesetzt. Hat sich niemand gegen Benachteiligung gewehrt ? 
In Frankreich sicher Mme. Olympe de Gouges, die Menschen- und Freiheitsrechte ausdrücklich auch als Frauenrechte verstanden haben wollte (was der Code civil Napoleons verweigert hat). 
Und im Deutschen Reich ? Niemand, keine Frau, auch nicht Frau Doktor Erxleben ? Wenn schon nicht in der Politik, im gesellschaftlichen Leben, dann doch im luftigen Bereich der Kunst ? 
Wenigstens die Principalin
Friederike Caroline Neuber (1697-1760) ? Die Neuberin, die den Hanswurst von der anspruchsvollen Bühne verbannte ? Sie blieb ohne Nachfolgerin. 
Dann aber und unübersehbar: wir möchten dem Wolfenbütteler Bibliothekar
G.E. Lessing zum 275. Geburtstag gratulieren, Mitherausgeber der kirchenkritischen Apologie des Herm. S. Reimarus und Autor der 1767 uraufgeführten "Minna von Barnhelm" ! Minna sagt ihrem an Vergangenem hängenden Natrium-Bräutigam Bescheid. 
Und
Sophie Gutermann (1731-18o7), Arzttochter aus Kaufbeuren, schrieb wohl schon seit 1766 an ihrem empfindsamen Briefroman "Geschichte des Fräuleins von Sternheim", das ihr ehemaliger Verlobter Chr. M. Wieland 1771 edierte; Langenbecks Ölporträt von ihr (etwa 1762) zeigt sie von einem rosa Shawl fein umhüllt (im Wieland- Museum Biberach). 
... und
Angelika Kauffmann (1741-1807) sowieso:  eine "Dichterin mit dem Pinsel" ! Ihre Porträts überdauerten, u.a. das Goethes von 1787 (64), keines gabs vom Einsiedler in Cöthen (weil sie seit 1782 dauerhaft in Rom lebte, wo ihr Salon ein gesellschaftlicher Mittelpunkt der nach Italien reisenden Künstler und Gelehrten war ?). Ihr Selbstbildnis von 1762 hängt in den Uffizien, nicht in einer deutschen Sammlung. 
Hat Dr Hahnemann in Paris nichts mitbekommen vom Feuilleton-Roman "Les myste`res de Paris" des
Euge`ne Sue, in Fortsetzung abgedruckt im Journal des De´bats von Juni 1842 bis Oktober 1843 ? Bei aller Melodramatik: das waren Eindrücke vom Leben des Pariser Proletariats jenseits der Rue de Milan, wo der keineswegs senile, sondern muntere Hahnemann sein 60jähriges Doktorat (1839) feierte und neben seiner Tochter Amalie Liebe (1789-1857) die bereits welterfahrene Pianistin Clara Wieck (1819-1896) empfing (65). 
Dr.
Daniel Gottl.Mor. Schreber (1808-1861) aus Leipzig erfand für geschwächte Arbeiterkinder ein Gesundheits-Gärtlein: durch Selbsttätigkeit die Gesundheit soweit wie möglich zu entwickeln und zu erwerben, war sein  erklärtes Ziel. 
Der Leipziger Stadtrat ließ eine öffentliche Turnhalle bauen; seit 1847 gab es einen eigenen Turnverein ("frisch,fromm,fröhlich,frei"). Einige Wochen nach Schrebers Tod im November 1861 gründete sein Kommilitone , der Lehrer Hauschild in Leipzig den ersten Schreber-Verein und erreichte, daß ein Jahr später vor der Stadt die ersten
Schrebergärten angelegt wurden. Großstädte wie Wien folgen gleich und entwerfen Neubausiedlungen mit Lichthöfen, Grünzonen, Schwimmbädern,  statt ungeklärter Brunnen städtische Trinkwassernetze und Kanalisation zum Entsorgen (unter dem Gesichtspunkt der Seuchenprophylaxe). 
Immerhin publizierte
Joh. Heinr. Pestalozzi (1746-1827) 1801 "Wie Gertrud ihre Kinder lehrt", während er im schweizerischen Burgdorf eine Waisenschule mit angegliederter Lehrerbildungsanstalt leitete. Friedrich Froebel (1782-1852) arbeitete bei Pestalozzi und gründete zwei Kindererziehungsheime in Thüringen; er gilt als Schöpfer der Kindergartenbewegung. 
Die Kolonie "Eden" im märkischen Sand Oranienburgs gab und gibt ein lebendiges Beispiel für gesundes Leben und Essen im Industriezeitalter (Einzelheiten s.u. in Anm.38). 
Man muß deshalb ja nicht gleich zum "natürlichen Naturmensch von Beruf" (Kurt Tucholsky) werden wie der Reformer
Gustav Nagel (1874-1952) aus Arendsee/Altmark (66), im Leinenhöschen barfuß durch Europa; er besuchte die Vegetarier auf dem Monte Verita` bei Ascona, pilgerte nach Palästina; Nagel blieb bis in die vierziger Jahre deutschlandweit bekannt (siehe Gartenstadtidee).Von jungen Männern, die ihre Haare länger trugen als üblich, hieß es bald, sie "liefen herum wie Gustav Nagel". Die Schalterbeamten der Deutschen Reichsbahn gewöhnten sich irgendwann die Marotte an, Reisenden mit Ziel Arendsee "Grüße für Gustav" aufzutragen. Nagel wagte es, den Nazis Paroli zu bieten (vgl. dagegen unten Abschn. "Schweigen über die NS-Zeit ?" einschl. Anm. 109); in seinen Sonntagsansprachen prangerte er Hitlers Kriegstreiberei an. Nagel überlebte Dachau; er versuchte, sein von der HJ demoliertes Anwesen wieder aufzurichten. Auf Anordnung des sowjetischen Kommandanten landete er, angeblich geistesgestört, in einer sog. Nervenheilanstalt und starb 1952. 
Unter die verwerflichen Methoden der allöopathischen Curart (s.Org.VI§54) rechnete Dr Hahnemann unerbittlich Vielgemische und entziehende bzw. ableitende Verfahren (67). Konkret zählte er noch 1833
Acupunctur und Brennzylinder (Moxa) dazu (68). 
Dem folgen wir heute mit Überwinden der Fremdheit und mit Sachkenntnis lege artis nicht; wir verweisen auf die Ärztefamilie
Weihe in Westfalen: 
-Carl Ernst August (1779-1834) war der erste homöopathische Arzt dort und heilte Cl.M.v. Bönninghausen von einer Schwindsucht, die zuvor letal auszugehen  schien (Puls. C30, vier Wochen später Sulf C30). 
-Sein Enkel August d.J (1840-1893) entwickelte für epidemische Erkrankungen "therapeutische Gleichungen", die auf Mittelfindung hinweisen (69). 
Lange bewährte Erfahrungen mit den 266 Weihe´schen Druckpunkten und vielfältige Übereinstimmungen mit Akupunkturpunkten beschrieben
Heinz Schoeler (1952), Niels Krack (1982), Ernst Bauer (70), neuerdings auch Hanspeter Seiler 2001. 
Regelrecht und vertrauenswürdig ist heute ein/-e Behandler/-in, der/die silikonfreie Akupunkturnadeln einmal verwendet, denn japanische Analysen weisen Silikonreste in einem gestochenen Organismus nach - und das ist wirklich vermeidbar. 
Auf
Risiken des Fleischkonsums (71) in den Industrieländern muß spätestens seit dem Medizin-Nobelpreis für Stanley Prusiner verwiesen werden, weil Prionenproteine im Muskelfleisch nachweisbar sind. Werden bei uns nur noch Vegetarier natürlich krank (s.Org.VI§76,91,94 usw.) ? 
Nährstoffverarmung unserer Nahrung kommt hinzu: beispielhaft die Kartoffel als ehemals Grundnahrungsmittel in einem Vergleich älterer Nährstoff-Analysen aus den Wissenschaftlichen Tabellen Geigy 1977 mit Ergebnissen von 1996 (s. Anm.38) . 
 
 

Gretchenfrage "Miasmen"

Dr. Hahnemanns Lehre von den Miasmen und insbesondere die Psoralehre bilden die "Gretchenfrage" der Homöopathie. Jeder Homöopath, gleich, ob er der klassischen oder der naturwissenschaftlich-kritischen Richtung angehört, muß sich einmal die Frage vorlegen: Wie hältst du es mit der Psoralehre? 
In ihrer ursprünglichen Form wird sie heute wohl nur noch selten vertreten. Hat sie überhaupt noch praktischen Wert, oder besitzt sie lediglich historisches Interesse ? (72) 

In der apodiktischen Unnahbarkeit des ersten ORGANON-Paragraphen, kranke Menschen gesund zu machen, d.h. zu handeln, war kein Raum für Medizintheorie. Dr. Hahnemann vermied für seinen janusköpfigen Begriff Miasma die ontologische Ebene, etwa im Sinne "der Mensch - ein hilfsbedürftiges Mängelwesen" (Arnold Gehlen). Es fehlt ebenso das (moderne gentechnische) andere Extrem: die Arbeitsgruppe um Prof. Schöler berichtet im Mai 2003 von ihrem Erfolg, daß embryonale Stammzellen weibliche Ei- bzw. männliche Samenzellen werden können. Also wo beginnt "der Mensch" ? Beispiel: keine Antwort darauf gibt Prof. Dietrich Grönemeyer, Mensch bleiben. High-Tech und Herz - eine liebevolle Medizin ist keine Utopie, Freiburg/Br. 2003 auf 190 Seiten. Prof. Grönemeyer plädiert für volksnahe Gesundheitswirtschaft, in der ultraschnelle Rechner endoskopisch reale Untersuchungsbilder (Mikrotechnik) ergeben, und zwar für alle bezahlbar. 
Das Scheitern dauerhafter Heilung (so Dr. Hahnemann selbstkritisch in Org.VI§80 Anm.) verlangte aber einzigartige
Gedanken über Chronifizierung (73); 
Heilungshindernisse wegzuräumen  (Org.VI§3, §259-260, CKI 131 ff. über arzneilich wirkende Nahrung, ebda S.139 ff. körperliche und seelische Anspannungen, S.142 ff. Bäder und falsche Kuren, S.144-145 Anspruch an sich selbst bis hin zu unterdrückter Sexualität), Lebensweise und Gesundungswille (Org.VI§208 und §259-261) zu fördern, Q-Potenzen zur häufigen Wiederholung einzusetzen (§270) genügten nicht. 
Es blieb ein unerklärter Rest unfaßbarer Energie - damals vor dem Dogma der Virchow´schen Zellularpathologie (und bleibt heute unter dem Prionen-Modell mit Resistenzen, zellwandfreien Erregern usw.). 

Thesenhaft in Org.VI§72,204  und ausführlich in CKI verwendete Hahnemann "Miasma" als Oberbegriff für nichtvenerische natürliche akute und chronische Krankheitsfälle: also für Kranksein, das die angeborene Lebenskraft nicht selbstätig überwindet (Org.VI§78): "Nur chronische Krankheiten sind der Prüfstein ächter Heilkunst, weil sie nicht von selbst in Gesundheit übergehen;..." (RAML I 272) 

Er zählte außerdem in §79 Syphilis und Sycosis auf, in §80 die von Hautausschlag ausgehende Psora, von der alten Pathologie mit vielfältigen mißbräuchlichen Krankheitsnamen belegt (§81 Anm.). 
Dr. Hahnemann stellte antipsorische, antisycotische und antisyphilitische Heilmittel zusammen, geprüft an Gesunden: die 46 antipsorischen Arzneimittel finden sich alphabetisch gedruckt in CK II-V, und zwar von Acid. muriat. bis Zincum met. 
Dr.
Pierre Schmidt (1894-1987) erweiterte diese Reihe der Homöopsorica auf 165 Mittel und fügte    151 Homöosycotica und 33 Homöosyphilitica an (74). 
Die Überschneidungen abgerechnet, bleiben etwa 200 Mittel für chronisch Kranke. 

Während der Weltseuche der asiatischen Cholera 1831, als feststehende Krankheit gedeutet, wich Hahnemann, der selber keine Cholera-Patienten behandelt hat, von dieser Vorstellung ab und empfahl mehrfach (75) für das erste Stadium Kampferspiritus in Mengen und reines Wasser (neben homöopathisch ausgewählten Potenzen von Rhus-t., Verat., Cupr-m., Ars. usw.). Dr. Hahnemann argumentierte mit " Choleramiasm" (76): bei dieser Epidemie wirke wahrscheinlich ein lebendes Miasma (77). Dr. Hahnemann vermutete bei den vitalen Überlebenden erworbene Immunität
Seit 1796 führte der englische Landarzt
Edward Jenner (1749-1823) Impfungen (aus Kuhpockenlymphe, gestützt auf Beobachtungen einer Milchmagd) durch. In dieser Ära  der Manufakturen  und vor den mikroskopisch gesicherten Erregern (materia peccans) erkannte Dr. Hahnemann in seiner Torgauer Schrift 1808 als Morgenröthe an: 
"Das wenige Positive in der ungeheuren Menge arzneylicher Schriften besteht in der von
ungefähr aufgefundenen Heilart zweyer bis dreyer, aus einem stets sich gleichbleibenden Miasma entspringenden Krankheiten, der herbstlichen Sumpfwechselfieber, der Venusseuche und der Krätze der Wollarbeiter; man müßte denn jenen großen Glücksfund, die Schützung vor Menschenpocken durch Vaccine noch dazu zählen. Und diese drey bis vier Heilungen geschehen doch nur nach meinem Princip, similia similibus. Mehr Positives aber kann die ganze Arzneykunde seit Hippokrates Zeiten nicht aufweisen; die Heilung aller übrigen Krankheiten blieb unbekannt." (78) 

Heute im Schatten der globalen dritten industriellen Revolution und des weltweiten Tourismus, im postkolonialen Atomzeitalter mit Massenvernichtung und asymmetrischen Kriegen vor allem auf Kosten der Zivilbevölkerung, im Angesicht der WHO mit Impfkampagnen, aber ungebändigtem Hunger und Armut usw. sollte die (mexikanische bzw. südamerikanische) Deutung der Miasmen (seit 1942) als Hypo- Hyper- und Autolysetendenz (79) bzw. Defekt/Exzeß/Perversion (80) aufgegeben werden. 
Das hatte schon Dr.
Will Klunker in seiner Einleitung der CK (81) verlangt, darin S.XVIII: Syphilis ist Syphilis, aber welche Infektion ist Sycosis ? Und Psora hat keine medizinische Realität (ebda S.XIX). Nicht nur ist "Psoratheorie" (Org.VI§284 Anm. letztes Wort) nur von Richard Haehls Hand überliefert; sondern auch kulturgeschichtliche Assoziationen für Psora, ob 
-als Tridosha-Modell des indischen Ayurveda, 
-als alttestamentarischer Sündenursprung (nach 3.Mose 13), d.h. als prima causa morbi, über Aussatz unter Menschen, ein Bild/eine Begründung aus dem jüdisch-christlichen Weltverständnis - aber was sollen Buddhisten, Muslime usw. wählen? 
-als Drei- Keimblätter-Modell, 
sie erfassen nicht die Einsicht in angeborene und erworbene Mängel - das war immerhin Dr.
James Henry Allens (1856-1925) Beitrag im zweibändigen "The Chronic Miasms" (1904-1905) (82). 
Nach
T.D.Ross kann man im Psoriker den heute so überaus häufigen Allergiker erkennen (83). 
Ob wir wollen oder nicht: in unserer heutigen Welt wüten weitere Miasmen.
Amor Singh Kumar zählte (84) auf: 
-Psora, verantwortlich für 7/8 aller chronischen Krankheiten 
-Syphilis oder syphilitische Stigmata 
-Sycosis, gedeutet als unterdrücktes Trippergift 
-als viertes Miasma das
Andromeda-Miasma der Atomstrahlung  
-
tuberculöse Diathese 
-
canceröse Diathese 
-als siebtes Miasma
Amoebiasis in Form von Ulcerationen im Colon, Hauptmittel sei Mercurius, für Rezidive Nux-v., Puls., Bry., Rhus-t., Colch. und Dulc. 
-außerdem
erworbene Miasmen aus durchgemachten Kinderkrankheiten und Impfungen, nach Compton Burnett Hauptmittel Thuja. 
-zuletzt
Drogen-Miasma

HIV-Erkrankungen als erworbene (!) Immundefekte kommen heute dazu. 
Die ungelöste CA-Erkrankung
die gezielte
Verwendung mutagener Stoffe
das Hinnehmen von Schäden aus Arzneien (man denke nur an Contergan, an Lipobay, an Methylphenidat für unruhige Kinder, Neuroleptica bewirken Dysphagie, Metoprolol ist an Frauen ungenügend geprüft, also für Frauen zu hoch dosiert empfohlen , und die  One million women Study ergibt vorzeitig, daß die bisher empfohlene Kombination von Sexualhormonen ein Mamma-CA-Risiko fördert usw.), 
also der
Verzicht auf Heilmittel, ja sogar auf die Idee des Heilmittels , erfordern, die Grenzen von "Miasma" zu erweitern , weil sie nicht von einem bläschenhaltigen Primäraffekt ausgehen und ohne Unterdrückung erklärlich erscheinen. 
Für Homöopathen kommt der
Mangel hinzu, daß Nosoden im gebräuchlichsten Repertorium, dem KENT, unzulänglich aufgenommen sind; als Beispiel Carcinosin (85), worauf wir (vor obigem Hintergrund) in gar keinem Falle verzichten können und dürfen. 
Einsicht oder zumindest Hypothese ? Die allermeisten
Symptome in unserer Sprechstunde  sind künstlich, menschengemacht (dyskratisch), erworben, auf gut schwäbisch "so überflüssig wie ein Kropf". Beispiel: Rauchen oder 30 Jahre lang Haarfärben mit Epoxydharz als Fixiermittel, was Blasenkrebs mit fast hundertprozentiger Garantie bewirkt (fragen Sie in München rechts der Isar nach !). 
Werden bei uns nur noch Vegetarier
natürlich krank
Was bleibt uns aber dann (denn die Fakultät für theoretische Medizin liefert überhaupt nichts zur Erklärung von Chronifizierung, geschweige denn Heilmittel) ? 
Daraus folgt für interessierte BehandlerInnen: 
-*detektivisch jenes Künstliche abdecken, um den Menschen zu finden - vor allem, wenn das indizierte Mittel versagt ! Also Dr.
Sankaran aus Bombay lesen (86): bei Coccus-cacti-Husten an die färbende Laus Cochenille im Lippenstift denken ! 
-*Unterdrückung aufzuheben ist Sache der HomöopathInnen. Unverzichtbar zum Verständnis dieser Säule der Homöotherapie sind die beiden Fleißaufsätze von 
--
Georges Hodiamont, Über Unterdrückung  (87) und direkt 
--anschließend von
Theodor Ensinger die Liste der "Unterdrückung bei Kent" 
--sowie die Übersicht von
Otto Englisch, Verzeichnis Auslösender Ursachen - Folgekrankheiten nach KENT (88). 

"Nach dem Gesetz der Ähnlichkeit muß das Mittel nun auch ausgewählt werden; nur ist die Auswahl der zur Verfügung stehenden Mittel (glücklicherweise!) massiv eingeschränkt. Mit der miasmatischen Homöopathie wird neben der Symptomenähnlichkeit die Ähnlichkeitsebene der Ätiologie in die Therapie eingeführt. Es reicht nicht aus, daß die wichtigsten Symptome abgedeckt werden (§153 bezieht sich auf akute Krankheiten!Siehe §152), es muß in der Pathogenese des Arzneimittels auch der pathologisch-klinische Prozeß in Ähnlichkeit erscheinen, wenn das Mittel passend sein soll. Bei den chronischen Krankheiten übernimmt somit das Miasma die Rolle der Causa und wird zum Leitsymptom, welches in der Wertigkeit über psychischer und lokaler Symptomatik steht. 
Für syphilitische Krankheiten sind also nur Arzneien geeignet, die am Gesunden chronische syphilitoide Schäden hervorrufen können, wie z.B. Mercurius, Aurum usw., für psorische Krankheiten kommen nur die psorischen Mittel in Frage usw. Während bei der Behandlung von Akuterkrankungen wir uns um größtmögliche Differenzierung bemühen sollten, finden wir bei den Miasmen den Versuch Hahnemanns, zu vereinheitlichen, zu verallgemeinern, was auch im §103 deutlich wird, wo vom Genius epidemicus im Zusammenhang mit chronischen Krankheiten die Rede ist. 
Durch die Erfassung der chronologischen Reihenfolge des Auftretens der Symptome bzw. Krankheiten und durch die Erkenntnis der miasmatischen Entwicklung wird es möglich sein, die Hering´sche Regel in neuem Licht zu sehen und zu verstehen: 
Eine Krankheit muß vergehen 
-von innen nach außen, 
-von oben nach unten, 
-in der umgekehrten Reihenfolge des Auftretens der Symptome." (89) 
Einspruch, Herr Kollege ! 
Sie spielen Causa und Ähnlichkeit gegeneinander aus. Was gilt wann ? 

Eine Lebensgeschichte, als psorisches Geschehen gedeutet, lieferte Dr.J.K.v. Fimelsberg (90). Er zeigte darin konkret einschl. numerierter Symptome, daß Dr. Hahnemanns Beobachtungen betreffend Stadien der Psora-Entwicklung mit bestimmter Symptomatologie an chronischen Krankheitsfällen auch heute noch bestätigt werden können. 
Nochmals (einen Praktiker mit über 40 Jahren Erfahrung samt Quellenstudien ) gefragt: 
"Welche Rolle spielen die Miasmen in Ihrer Praxis ? 
Die sogenannten Miasmen sind für mich nicht wichtig. Das sind alles nur erdachte Formulierungen und keine wirklich wahlanzeigenden Symptome." 
(Interview mit Dr.
Georg v. Keller (1919-2003) (91) 
Es hilft uns nicht weiter, Praxisjahre gegen Autoritäten (welche?) auszuspielen. 
Eine taktisch geschickte Antwort auf die "Gretchenfrage" ist es, nur noch gut, d.h. ausführlich geprüfte, Homöopsorica, Homöosycotica und Homöosyphilitica (92) entsprechend der Ähnlichkeit anzuwenden (und so Org.VI§153 für a l l  e Krankheitsfälle gelten zu lassen). 

Bringt uns der Ansatz der Salutogenese weiter ? 
Vorteile (bes. vor dem Hintergrund der immensen, seit dem Biedermeier angestiegenen Heilungshindernisse) sind: 
-*
jede/-r entwickelt (in seinem/ihrem Tempo) persönliche Kompetenzen und kontrolliert sie, z.B. Rauchen aufgeben (Hahnemann Pfeifenraucher nur im Lehnstuhl), Übergewicht abbauen, regelmäßig Sport treiben, Blutzuckerhöhe  selber verantworten, einmal wöchentlich freiwillig vegetarisch essen, im lokalen Homöopathischen Verein mitmachen,  die zehn Punkte im "Kampf gegen den Krebs" einhalten usw. 
-*
der "innere Arzt" statt eines "Halbgotts in Weiß" zeigt individuelle Möglichkeiten und Grenzen. Das begleitet die Einsicht: Herausgehen aus selbstverschuldeter Unmündigkeit (nach I. Kant), und: 
d
er Wert von Gesundheit unterliegt dem Wertewandel. 
-*im Gegensatz zur bornierten deutschen Kleinstaaterei des 19. Jahrhunderts gilt heute regierungsverbindlich die
Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung (21.11.1986)
Zitat aus ihrem
Abschnitt "Die Gesundheitsdienste neu orientieren"
"Die Verantwortung für die Gesundheitsförderung wird in den Gesundheitsdiensten von Einzelpersonen, Gruppen, den Ärzten und anderen Mitgliedern des Gesundheitswesens, den Gesundheitseinrichtungen und dem Staat getragen. Sie müssen darauf hinarbeiten, ein Versorgungssystem zu entwickeln, das auf die stärkere Förderung von Gesundheit ausgerichtet ist und weit über die medizinisch-kurativen Betreuungsleistungen hinausgeht. 
Die Gesundheitsdienste müssen dabei eine Haltung einnehmen, die feinfühlig und respektvoll die unterschiedlichen kulturellen Bedürfnisse anerkennt. Sie sollten dabei die Wünsche von Individuen und sozialen Gruppen nach einem gesünderen Leben aufgreifen und unterstützen sowie Möglichkeiten der besseren Koordination zwischen dem Gesundheitssektor  und anderen sozialen, politischen, ökonomischen Kräften eröffnen. 
Eine solche Neuorientierung von Gesundheitsdiensten erfordert zugleich eine stärkere Aufmerksamkeit für gesundheitsbezogene Forschung wie auch für die notwendigen Veränderungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Ziel dieser Bemühungen soll ein
Wandel der Einstellungen und der Organisationsformen sein, die eine Orientierung auf die Bedürfnisse des Menschen als ganzheitliche Persönlichkeit ermöglichen." (93) 

Zwar wurden die im Programm "Gesundheit 2000" vorgesehenen Ziele nicht erreicht und das spezielle deutsche Krankenversicherungssystem der RVO ist - egal, welches Parteibuch regiert - inzwischen unbezahlbar, grenzt Leistungen aus, nimmt im internationalen Vergleich nur einen mittleren Rang ein (94) usw., ABER: 
- *Homöopathie und HomöopathInnen sind vorgesehen und werden gebraucht; sie sollen
gefördert werden (z.B.Homöopathie-Stiftung des DZVhÄ vom 19.4.2001 in Köthen, dort auch das Europäische Institut für Homöopathie InHom, genehmigt in Dessau, oder Verträge zwischen KV und einzelnen Kassen, die eine besondere Vergütung homöopathischer Leistungen für Ärzte vorsehen usw.); die Gesundheitsförderung der VHS gründet (neben dem Weiterbildungsgesetz in Bd.-Württbg.) auf eben der Ottawa-Charta; mit jährlich rund 140.000 Kursen und 2 Mill. Teilnehmenden leisten die Volkshochschulen eine bedeutenden Beitrag zur Gesundheitsförderung. 
 - *Prävention oder Vorbeugung von Zivilisationskrankheiten (s.Anm.38) ist unverzichtbar; wer sich darüber hinwegsetzt, soll die Folgen und Kosten nicht der Versichertengemeinschaft aufbürden; 
- *
Modellvorstellungen für Chronifizierungstherapien
--   erst Abbau/Dissimilation, dann Aufbau/Assimilation (95) 
--   (chronische) Reaktionsstarre in akutes Reagieren überführen durch Umstimmen, Ausleiten usw., mehrgleisige Strategie statt " Alleinvertretungsanspruch", z.B. Homöopathie hat dort ihre Grenze, wo ein Organismus auf diese Reiztherapie nicht mehr antwortet bzw. blockiert ist. 
Abgesehen von unserer unerklärlichen Überalterung mit Multimorbidität: diese Überlegungen sind ohne Miasma-Begriff verständlich und praktizierbar. 

Hahnemann, der Pfeifenraucher, hatte das Tabakrauchen (im Gegensatz zum Tabakschnupfen) nicht auf seiner Verbotsliste (in CKI138). Er beschrieb Effekte der Tabakspflanze aus Virginia (in GKS 232), auch im Zusammenhang mit Kaffee (GKS 351), ebenfalls 1806: mäßig gebraucht, werden erstrebte wie nachteilige Folgen beschrieben (GKS 461). 
Das Suchtpotential von Rauchen ist inzwischen nachgewiesen und unbestreitbar. 
Wenn also die deutsche Tabak-Industrie behandelt würde wie die US-amerikanische und Entschädigungen zahlen müßte wie die amerikanische....., wir wären viele künstliche Krankheiten los (und könnten in Vorbeugungsprogramme investieren).
Robert Welte, Hans-Helmut König und Reiner Leidl, Uni Ulm, legten (in: European Journal of Public Health 1/2000) die erste umfassende Krankheitskostenstudie zum Rauchen in Deutschland des Jahres 1993 vor: die jährlichen Gesamtkosten betragen 33,8 Mrd. DM, insgesamt also 415 DM je Einwohner oder knapp 1.600 DM je aktivem Raucher; wenn man auch den Arbeitsausfall in der Hausarbeit und bei der Betreuung von Angehörigen berücksichtigt, steigen diese Kosten weiter an. Es gab (1997)  rund 25 Mill. RaucherInnen in Deutschland. Rund 20 Mrd. DM flossen als Tabaksteuer in die Staatskasse. Laut Prof. Keil, Uni Münster, sterben bei uns jährlich 3.300 sog. Passivraucher – menschengemacht, also vermeidbar !

Wenn gesellschaftlicher Konsens im Sinne "Vorbeugen ist leichter als Auskurieren" vorherrschend wäre, um die legalen Drogen Nikotin und Alkohol samt den illegalen Drogen zurückzudrängen (statt sie zu kriminalisieren, im übrigen aber ins Land zu lassen und zu besteuern), dann wäre die angeborene Reaktionsfähigkeit des /der Einzelnen erkennbar und therapeutisch leichter einsetzbar: soweit nicht angeboren geschädigt, kann ich mein Herz/meinen Kreislauf vorbeugend nach der Formel 2002 trainieren: 
0,85x(210-Lebensalter)=Belastungsgrenze, davon noch die Zahl des Ruhepulses abziehen, in der Mitte zwischen diesen beiden Zahlen soll das Herz während des Trainings schlagen. Oder: 
Das Körpergewicht wurde früher nach der Broca-Formel bestimmt, heute wird dafür der BMI/Body-mass-index empfohlen, wobei der Normalbereich bei 20-25 kg/m° liegen soll. 
Wenn die MAK-Werte und Umweltstandards überall durchgesetzt werden/würden, z.B. die
krebsförderlichen "dirty dozen" der organischen Chemie (verboten in Stockholm 2001, jetzt in Kraft seit Mai 2004, nachgewiesen in der Muttermilch der Inuits Alaskas, die etwa Furane weder produziert noch selbst angewendet haben), dann könnte evidenzbasierte Medizin sein, was ihr Name vorgibt: die menschengemachte Not aufdeckend plus die Heilungshindernisse ausgeräumt, würden (spezifische und unspezifische) Heilmittel ausheilen ! 
Sind wir Miasmentheoretiker oder sind
wir Heilpraktiker , die diese aus der Not eines Gerichtsstreits geborene (siehe Albert Baginsky,München) Sippenbezeichnung wie die niederländischen Geusen hoch erhobenen Hauptes als Markenzeichen tragen und verdient haben ? 
Mit Blick auf
die vier Prinzipien arzneilicher Krankenbehandlung Eliminatio, Substitutio, Directio und Stimulatio können wir heute chronisch Kranken als Vorgehen (96) empfehlen: 
1) Heilungshindernisse abbauen als
Eliminatio 
-schneller oder etappenweise, je nach Einsicht und Reaktionslage 
Begriff und Umfang der Heilungshindernisse (s.o. Abschn. Heilungshindernisse) muß heute  (mit Blick auf die artifiziellen Krankheiten) weit ausgelegt werden, z.B. die in deutschen Altenheimen immer noch übliche, pauschale Digitalisierung der über 80jährigen -  längst ist durch europaweite Studien der zu hohe deutsche Digitalis- Verbrauch aktenkundig (97). 
2) tiefe und/oder hohe Potenzen nach der Ähnlichkeit als
Stimulatio  
-es gibt Zeitgenossen, die Hochpotenzen nicht vertragen, siehe also SynRep II365: überempfindlich gegen Medikamente: ars-j/caust/hep/lyc/NIT-AC/nux-v/sep. 
Und im übrigen: ein Glob./ein Tropfen der Arznei durch Umrühren in Wasser gelöst, davon 1 Teelöffel in ein weiteres Glas Wasser und umrühren, davon einen Teelöffel einnehmen. 
Chronische Beschwerden verlangen chronische Arznei. 
Nosoden nur in höheren bis hohen Potenzstufen einnehmen. 
Eine homöopathische Kur endet mit der ähnlichen Nosode, z.B. abakterielle Angina mit Nos. Pfeiffer´sches Drüsenfieber. 
Nach der Hering´schen Regel weichen erst die neueren Symptome, dann die älteren. 
Wenn der Zustand bei gleichem Bild akuter wird, die Gabe tiefer wiederholen (schreibt Dr. Leers). 
Meist sind mehrere antipsorische Mittel nacheinander nötig: Org.VI§171 
Ausheilen langjähriger Leiden dauert lange, im Alter noch verzögert. 
Chronische Krankheiten zu Ende behandeln, bis alle Symptome ganz gewichen sind. Chirurgie und Schmerzstillung kann ihr Rang heute nicht bestritten werden, auch  Psychotherapie hat ihren Ort. 
3)
Substitutio 
Man wird also oft statt Monotherapie mehrgleisig helfen und lindern und in jedem Moment die körpereigene Reaktion befördern statt unterdrücken: 
- Heilmittel haben Vorfahrt! 
Also bei erwiesener Anämie die fehlende Substanz substituieren, und im übrigen erst abbauen, dann aufbauen, d.h. unbedingt die natürlichen Ausscheidungswege in Gang bringen bzw. halten. 
4) Als drei Hauptfehler zählte Dr. Hahnemann selber (in CKI 146ff.) folgende "
Cautelen" auf, die Cl.v. Bönninghausen als aus Hahnemanns Pariser Zeit bestätigt 1844 bekräftigte: 
-weil alle chronischen Beschwerden sämtlich einzig aus der Psora entsprießen, muß man die
wohl gewählte antipsorische Arznei in der Regel völlig auswirken lassen, ohne sie durch ein Zwischenmittel zu stören; 
-daher vermeide man, die angezeigten antipsorischen Gaben für zu klein zu halten, das
unpassende Mittel auszuwählen und aus Ungeduld es nicht auswirken zu lassen. 
Als Zeugen führte v.Bönninghausen den Arzt Dr.
Croserio (1786-1855)  an, der mit seiner Frau bei Hahnemann war (98). 
NB: Dr.S.F.C.Croserio und Dr.G.H.Jahr unterzeichneten gemeinsam für Me´lanie Hahnemanns Totenschein (99). 
Meine einzige Anmerkung hierzu: 
alle warteten  auf die sechste Auflage !  Und Bönninghausen war wahrscheinlich das wohlgehütete Geheimnis der Q-Potenzen bekannt (100). 
5)Wir verbinden also, um Chronifizierung zu vermeiden bzw. chronische Beschwerden zu lindern (im Idealfall auszuheilen), die Vorteile der Salutogenese mit dem Anwenden der etwa 200 antimiasmatischen Heilmittel der Homöopathie. 
Für Notfälle steht Notfallarznei zur Verfügung (
directio ). 

Krankheitserreger (ob mono-, ob pleomorphistisch gedeutet) sind heute unbestreitbar anwesend; "Miasma" kann heute also nicht mehr Erreger meinen, sondern allenfalls Erkrankungsbereitschaft heißen: also (materiell/yin-Aspekt) beschädigte Immunität bis hin zu geschwächtem bis fehlendem Lebenswillen (yang-Aspekt). 
"Das Kranksein als Verstimmtheit liegt vor aller Symptomatologie und Pathologie." (101) 
Und im übrigen: "Heilen heißt Reinigen" (Leopold Emanuel Felke /1856-1926/). 
Die Welt von morgen beginnt nicht erst morgen; sie ist längst auf dem Weg. 
"Wir wissen nicht, wohin die Wolken ziehen; die Bahn der Sterne aber können wir berechnen." (altpersisch nach Ernst Wagemann 1952) Sapiens imperat astris.
 

 Stationen der Nachkriegsära

In den Jahren von 1930 bis 1939 trug der Augenarzt Rudolf Tischner (3.4.1879-24.4 .1961) seine vierbändige "Geschichte der Homöopathie" zusammen. Leider fiel dieses Werk den Bomben des zweiten Weltkriegs ebenso zum Opfer wie seine Münchner Wohnung mit der umfangreichen Bibliothek. Zwar konnten 1939 der Band "Quellenschriften der Homöopathie" und noch 1943 "Hahnemanns homöopathische Schriften" veröffentlicht werden, aber die einbändige Zusammenfassung "Das Werden der Homöopathie" (1950) war nur ein bescheidener Ersatz (s. in Anm.136). Endlich erschien 1959 sein Buch "Samuel Hahnemanns Leben und Lehre". Tischner bemühte sich in vielen Aufsätzen um eine naturwissenschaftliche Rechtfertigung der Homöopathie, darin ein Schüler Waplers (Ausgleich zwischen Homöopathie und Allopathie). Prof. Friedbert Ficker widmete Tischner einen ausführlichen Nachruf (in: Ztschr. Natürliche Heilweisen, Heidelberg, Juni 1971 S.117-118).  

Die Geschichte der homöopathischen Laienbewegung schrieb Karl Wilhelm Thiele (27.7.1887-10.4.1980), abgedruckt in Fortsetzungen der "Homöopathischen Monatsblätter" ab 1965. Seine ersten Arbeiten waren 1927 in der "Leipziger Populären Zeitschrift für Homöopathie" erschienen; ihr Schriftleiter wurde er 1933, blieb bis zu ihrem Ende 1941. Nach dem Krieg gab er in seiner westfälischen Heimat eine "Populäre Zeitschrift für Homöopathie" heraus, die 1952 in den "Homöopathischen Monatsblättern" aufging; diese älteste volkstümliche homöopathische Zeitschrift druckte seine regelmäßigen Beiträge zur Heilpflanzenkunde unter besonderer Berücksichtigung der Homöopathie; die jeweilige
Schwarzweiß-Zeichnung übernahm Prof. Rud. Fr. Weiß (s. Anm.24) in sein Lehrbuch der Phytotherapie (Hippokrates-Vlg. Stuttgart). Die Geschichte der Potenzforschung steht im Taschenbuch von 1993 "Was sind potenzierte Heilmittel?", herausgegeben von Apotheker Dr. Willem F. Daems (1911-1995). Das Ingolstädter Medizinhistorische Museum eröffnete am 21. März 1975 die Sonderausstellung "Samuel Hahnemann als Begründer der Homöopathie". Der botanische Garten des Museums zeigte eine größere Anzahl Heilpflanzen, die im HAB aufgeführt werden. Der Katalog der 1982er Ausstellung "Lebendige Homöopathie" wird bis heute von der DHU, Karlsruhe, mit leichter Textänderung nachgedruckt. Das Jubiläum der Simile-Regel 1996 war wunderbarer Anlaß für die Homöopathen weltweit und das sich erneuernde Dresdener Hygiene-Museum (DHM), für unsere Heilkunde zu werben (102). 

Seit 1980 besteht das Institut für Geschichte der Medizin, unterhalten von der Robert-Bosch-Stiftung. Das IGM widmet sich besonders der Homöopathie-Geschichte; Dr. Hahnemanns lite-rarischer Nachlaß bildet das Kernstück dieses Homöopathie-Archivs.

Unübertroffenes Glanzlicht und Meilenstein sind die homöopathischen Arzneimittelprüfungen von Dr.Julius Mezger mit den Stuttgarter Vereinsmitgliedern(u.a.Botnang, Möhringen, Ludwigsburg); Mezger prüfte zwischen 1932 und 1959 etwa 15 Mittel, darunter Hedera helix, Aristolochia, Mandragora und das berühmte Cimicifuga racemosa/Wanzenkraut (137).

Dr. Hahnemann veränderte die Welt mit der Ähnlichkeitsregel (Meißner Tageblatt Sonderdruck April 2005) - und die Laien popularisieren weltweit Homöopathica und qualitätvolle Gesundheitsförderung für alle: Salutogenese . Bei den Meißner Feiern zum 250. Geburtstag Hahnemanns formulierten die Sprecher der Laien, an ihrer Spitze die Hahnemannia, daher:

m e h r H o m ö o p a t h i e w a g e n !

Die Unverzichtbarkeit der Laien zur Bewahrung der Homöopathie gerade in Deutschland beschreibt mein Aufsatz "Die Wirklichkeit der Homöopathie 2005". Meine These: es gibt in Deutschland keine Bewegung für oder gegen Cortison, keine organisierte Bewegung für oder gegen Antibiotica- Mißbrauch, aber es gab und gibt eine über 100 Jahre erfahrene Laienbewegung für Homöopathie (bes. in Süddeutschland), die sogar die Bereiche Selbsthilfe und Vorbeugung berührt.

In seinen gedruckten (deutschen) Texten zur Zeit der Begründung der Homöopathie hatte Dr. Hahnemann zwar strikt jede Popularisierung abgelehnt (Anm.24). Punkt, aus. Aber wie fein und erfahrungssatt schrieb er mit Stahlfeder aus Paris am 23. Juli 1842 auf französisch an Mme. Charvet nach Turin:

"Madame ! Je Vous loue de tout mon coeur pour Vos travaux homöopathiques. La qualite´de femme n´exclue pas totalement dans cet art important, au contraire, les femmes instruites et exemptes des fatilite´s fe´minines ont une finesse de tact que les hommes n´ont gue`re et qui est indispensable pour gue´rir. Continuez, je Vous applaudis et Vous che´ris.

Jamais, dans aucun cas on ne me`le pas deux me´dicaments ensemble, quels qu´ils soient; ceux, qui font ce me´lange, ne sont pas des homöopathes.

Madame Hahnemann et moi sommes a` Vous de coeur Samuel Hahnemann."

Madame, Monsieur, liebe Homöopathen, kennen Sie Ihren Samuel ? Nein, nicht die ärztliche Verdienstmedaille (s.u. in Anm. 143), sondern den Begründer der Homöopathie !

Er donnerte gegen Popularisierung (um Homöopathie zu finden und echt weiterzugeben ?) - und die Geschichte fügte es genau anders herum: ein Meißner Arzt veränderte die Welt der Heilkunde, und die L a i e n tragen Homöopathie (und Naturheilkunde), und ihr Motto heißt seit den Feiern zu Hahnemanns 250. Geburtstag in Meißen 2007:

m e h r H o m ö o p a t h i e w a g e n !

Sie möchten´s genau wissen, auf deutsch ? Bitte sehr !

"Gnädige Frau ! Ich lobe Sie von ganzem Herzen für Ihre homöopathischen Arbeiten ((er schrieb original: "homöopathiques", also wie deutsch)).

Die Eigenschaft als Frau schließt das Talent für diese wichtige Kunst nicht aus, im Gegenteil, die gebildeten und von weiblichen Oberflächlichkeiten freien Frauen besitzen eine Feinheit des Taktgefühls, die die Männer kaum haben und die zum Heilen unerläßlich ist.

Fahren Sie so fort, meinen Beifall haben Sie und ich schätze Sie hoch.-

Niemals, in keinem Falle, mischt man zwei Arzneimittel, welche sie auch seien, zusammen; die, die solche Mischung vornehmen, sind keine Homöopathen.

Madame Hahnemann und ich sind von ganzem Herzen die Ihrigen Samuel Hahnemann. "

Das ist h e u t e der Unterschied zu jenen Stuttgarter Feiern 1955: deren Tenor und Schlußwort war immer "Seine Zeit ist noch im Kommen !" Ja, angesichts der menschengemachten Not und Heilungshindernisse: w a n n denn, wenn nicht jetzt und heute und für alle ? Wir haben dazugelernt.

Also heißt es seit 2005: m e h r H o m ö o p a t h i e w a g e n !

Viel mehr Frauen als Männer fragen Heilkunde nach. Mit Blick auf geschlechtsspezifische Unterschiede entdeckt die Gender-Medizin (z.B. Zentrum für Geschlechterforschung in der Medizin der Charite´ Berlin ), daß Allergiemittel, Antibiotica, Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Blutdrucksenker und Herzmedikamente von Frauen anders verstoffwechselt werden, und - da häufig viel öfter an Männern als Frauen erprobt - Frauen angepaßte Dosierungen verlangen müssen. Seit 2004 schreibt das AMG geschlechtsspezifische Arzneiuntersuchungen vor; im Schnitt vergehen zehn Jahre, bis ein neues Medikament auf dem Markt erscheinen und in seiner Packungsbeilage weibliche Interessen berücksichtigen wird . Die Hebamme Birgit Laue beschrieb (2005) Heilpflanzen speziell für Frauen (ISBN 3-499-61616-5). Dr. Julius Mezger beschrieb in seiner GHA für Puls. das Defizit, ausführliche weibliche Sexualsymptome stammten nur von e i n e r Prüferin; Dr. Mezgers GHA wird unverändert nachgedruckt, die gewünschte Arzneiprüfung steht immer noch aus.

Dr. Hahnemann verlangte eindeutig in ORGANON VI §127: "Die Arzneien müssen sowohl an Manns- als an Weibspersonen geprüft werden, um auch die, auf das Geschlecht bezüglichen Befindens-Veränderungen, an den Tag zu bringen." In CK I 172 zählte er (im Kontext der Chronifizierung durch psorisches Miasma) extra auf: - unregelmäßige Periode bzw. Aussetzen der Arznei-Einnahme während der Menses, Gravidität und Abortus, unrichtige Lage des Foetus, Mastitis.- Die sexualfeindlichen Begriffe in homöopathischen Arzneiprüfungen müssen ein eigenes Thema sein.-

Arzneimittelsicherheit und Zulassungskosten dürfen die Verfügbarkeit von Homöopathica nicht einschränken; das fordert das "Gemeinsame Positionspapier zu Verfügbarkeit, Qualität und Sicherheit homöopathischer Arzneimittel" von DZVhÄ, BKHD und VKHD (25.Febr.2006). Auswege stehen also "scheunentor weit offen" (s. Hoimar v.Dithfurt, Es ist soweit, München 1988 S.10), und Fakten ermutigen zu Heilmitteln:

m e h r H o m ö o p a t h i e w a g e n !

Im dritten Jahrhundert ihrer Existenz wächst Homöopathie als starker eigener Ast am Weltenbaum der Arzneiheilkunde.-

Schweigen über die NS-Zeit ?

Die Schatten zwischen diesen Glanzlichtern sind lang. 

Zu den Mängeln der Geschichtsschreibung der Naturheilkundebewegung, auch der Homöopathie, zählt das Schweigen der älteren Generation über die NS-Ära (103). Niemand darf sich daher über Gerüchte wundern, z.B. anläßlich der großen Tübinger Ausstellung 1982 "Volk und Gesundheit. Heilen und Vernichten im Nationalsozialismus", die sich an die unbedarfte Nachkriegsgeneration wandte und behauptete, nicht nur einige Ärztefunktionäre, sondern auch die Homöopathen hätten noch "Leichen im Keller" (104). 

Bei Lichte besehen, nämlich während einer speziellen Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll vom 30.4. bis 2.5.1982 (105), in mindestens drei Dissertationen über die sog. NDH (neue deutsche Heilkunde der NS-Oberen), z.B. von Alfred Haug, und in einer Tübinger Vorlesungsreihe im Studium generale des WS 1988/89  zum Thema "Medizin im Nationalsozialismus", organisiert von der Fachschaft Medizin, wurde kein einziger Homöopath namhaft gemacht (und unsere Verbandszeitschriften schwiegen ausführlich). Vielmehr waren es ausgewählte SS-Ärzte wie Ernst Grawitz,  Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Werner Heyde oder Johann Kremer usw., die Menschenversuche verantworten müssen (106). 

Aufgeklärten Ärzten und Heilpraktikern der Nachkriegszeit war dies noch geläufig, und Pflichtlektüre der 50er und 60er Jahre war daher die Auftragsdokumentation "Medizin ohne Menschlichkeit" von Fred Mielke und Alexander Mitscherlich mit dem Satz auf Seite 13: "Von ungefähr 90 000 damals in Deutschland tätigen Ärzten haben etwa 350 Medizinverbrechen begangen." (107) 

In diesem bis heute nachgedruckten Band kann jede/-r z.B. gewalttätige Experimente mit Schüßler'scher Biochemie nachlesen, etwa im KZ Dachau auf Himmlers Befehl an mit Phlegmone künstlich infizierten Häftlingen. Schon allein diese inhumane Versuchsanordnung und die halbstündliche Zwangsverabreichung widersprechen einer homöopathischen Arzneiprüfung in Freiwilligkeit, sodaß alle KZ-Ergebnisse nicht gegen Homöopathie angeführt werden können - übrigens ebenso wenig die "Vernichtung durch Arbeit" auf den fast 240 ha Pflanzenkulturen in Dachaus Umgebung gegen Phytotherapie usw. 

Diese auf ihr Scheitern angelegten Experimente mit Kalium phos. D6 usw. (und ähnliche mit Spenglersan- Einreibetropfen)  erregten sogar Heinrich Himmlers Ablehnung; er schrieb Dr Grawitz z.B. am 30.9.1942, daß er eitel sei und sich nur für die Verdammung der Prüfsubstanzen einsetze.- 

Kritik ist insofern berechtigt, als viele Sprecher naturheilkundlicher Vereine schon in der Weimarer Republik weit rechts bis deutschnational eingestellt waren und vor oder nach 1933 der NS-Propaganda mit Ergebenheitsadressen  zujubelten, z.B. anläßlich der grotesken Inszenierung "Tag  von Potsdam" (21.3.1933); so schrieb etwa die Bundesleitung der Zeitschrift "Naturarzt" (und druckte es in ihrer Festschrift zum 45jährigen Bestehen des Deutschen Bundes der Vereine für naturgemäße Lebens- und Heilweise/Naturheilkunde e.V. erneut): 

 "Darauf stützen wir unser Vertrauen, daß die Arbeit des Deutschen Bundes und seiner Vereine grundsätzlich anerkannt und gefördert wird. Gilt sie doch ihrem ganzen Wesen nach der körperlichen und sittlichen Erstarkung unseres Volkes und hilft durch ihren Appell  an das gesundheitliche Gewissen, an die Verantwortlichkeit jedes einzelnen, für sein und seiner Familie gesundheitliches Schicksal, die Grundlagen zu schaffen  für den Aufbau der Volkskraft und einer gesunden Volkswirtschaft. Getreu unserer jahrzehntelangen Arbeit für ein einfaches, reines, die entnervenden Auswüchse moderner Scheinkultur überwindendes, im Boden der Heimat wurzelndes, naturverbundenes Leben, sind wir mit allen unseren Kräften zur rückhaltlosen Mitarbeit an den Aufgaben der nationalen Regierung  bereit." (108) 

Viele, politisch blind und teilnahmslos (109), handelten nach dem autoritären "Führerprinzip": die Ärzte, von der Weimarer Republik mit Rezeptierprivileg der RVO ausgestattet, bekamen als "Reichs-Ärzteführer" den Münchener Dr. Gerhard Wagner (1888-1939), Leiter des Hauptamtes für Volksgesundheit der NSDAP, vorgesetzt, nach dessen Tod den Südtiroler Prof. Leonardo Conti (1900-1945) in schwarzer SS-Uniform, zuletzt im Range eines SS-Obergruppenführers und als Staatssekretär sein eigener Kontrolleur; und die sieben Heilpraktikerbünde erhielten ungefragt den "Kommisar" Erich Heinisch (mit der Zwangsmitgliedschaft im Heilpraktikerbund Deutschland, Reichsverband e.V. Sitz München, Giselastr. 4) vorgesetzt, der aber am 26.3.1934 gehen mußte(warum ?); Nachfolger wurde der Magnetopath Ernst Kees, seit 1931 Pg., Vorstandsmitglied in Julius Streichers "Verein Deutsche Volksheilkunde"; er amtierte nicht unumstritten und votierte 1939 eifrig für das noch  heute eingeschränkt gültige Heilpraktikergesetz (es sollte "Wiege und Grab zugleich" des Berufsstandes sein), die homöopathischen Laien hatten bis 1940 Immanuel Wolf (23.8.1870-19.3.1964), Vorsitzenden der "Hahnemannia", seit 1930 Leiter des "Reichsbundes für Homöopathie und Lebenspflege" , über 50 Jahre lang Schriftleiter der "Homöopathischen Monatsblätter" im Stuttgarter Paracelsus-Verlag (s. Homöop.Monatsblätter 85.Jg./August 1960,113-131 und ebda 89. Jg/ Mai 1964,66-67).

Dabei wehrten sich die meisten nicht,  von den NS-Zielen, die zum Krieg hinwirkten, vereinnahmt zu werden, obwohl sie doch immer wieder selbst bedroht waren, Freunde oder Bekannte willkürlich verhaftet wurden, Berufsverbot erhielten,  Behinderte und Patienten einer "Euthanasie" geopfert wurden - was nicht verborgen werden konnte: man denke an die verhängten Transportwagen nach Hadamar/Hessen  oder Grafeneck  b. Münsingen/schwäb. Alb oder Hartheim bei Linz oder Brandenburg a.d.Havel oder Sonnenstein bei Pirna,  man  erinnere sich der "Dienststelle T 4" oder der "Aktion 14 f 13". Oder: die drei Brüder Madaus, Besitzer der bekannten Heilpflanzenfirma Madaus, damals in Radebeul bei Dresden, wurden 1933 kurzfristig verhaftet; "Grund hierfür und die gleichzeitge Durchsuchung der Firma waren die engen Geschäftsbeziehungen zum 'Biochemischen Bund Deutschlands', in dem Juden eine maßgebliche Rolle spielten. Das Verfahren wegen 'Judenversippung' wurde aber  eingestellt." (110) 

Eben  diese Firma mußte 1941 für Massensterilisierungsversuche Caladium seg./Schweigrohr und dann 1943 Echinacin extern zur Wundheilung nach Verbrennungsexperimenten im KZ Buchenwald liefern (111). Auch sonst an der Basis beschädigten die Einschnitte der NS-Politik, z.B.  Zwangsmitgliedschaft im Reichs-Gesundheitsbund, Bespitzelung und Zensur, das Vereinsleben (112). Jede/-r sehe in seiner Orts- und  Vereinschronik nach, z.B. in der Metzinger Chronik (1992) heißt es dazu: "Die Zwangsmitgliedschaft ordnete alle Vereinsaktivitäten der offiziellen Billigmedizin  im Rahmen der Kriegsvorbereitungen und dem sog. Führerprinzip unter; der Vorstand unter Herrn Enssle  konnte nur weiter amtieren, weil alle auch NSDAP-Mitglieder waren. Manche Homöopathen glaubten, die  offizielle Anerkennung der Homöopathie stehe unmittelbar bevor, bes. da der "Führer-Stellvertreter" Rudolf Hess, der sich naturheilkundlich behandeln ließ, in Dresden ein Sanatorium protegierte: im "Weißen Hirsch" therapierte Prof. Ludwig Grote naturheilkundlich, Prof. Alfred Brauchle im Stadtkrankenhaus Johannistadt, sie fertigten auch Vergleichsstudien." (113) 

Der Katalog der Dresdener Jubiläumsausstellung 1996 liefert in den Aufsätzen von Uwe Mai und Detlef Bothe weitere Fakten und Bilder. Man denke ferner an den von vielen Familien eifrig konsultierten Band Hering-Haehl, Homöopathischer Hausarzt , der für die 31. Auflage (Februar 1938) neu konzipiert werden mußte, damit ja nicht zu viel über Sexualhygiene bekannt werde, wo doch das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten (18.02.1927) verschärft und deren Therapie zum Arztprivileg erklärt wurde. In dieser Ära vor den Antibiotica (die es in Deutschland kriegsbedingt erst nach 1945 massenhaft gab) war etwa für die luetische Diathese das Decoctum Zittmanni mit der Sarsaparilla segensreich (114). Für den  Zentralverein homöopathischer Ärzte hat Dr. E.H. Schmeer die "travestierte Homöopathie" am Beispiel des Berliner Ärztevereins aufgearbeitet (115). Diesem Bedürfnis nach Aufklärung kamen die Weleda-Nachrichten mit Heft 181 (Ostern 1991) bis Heft 184 (Weihnachten 1991) entgegen und druckten Hans Krügers Aufzeichnungen (aus dem Weleda-Almanach 1/1991 S.15-33) nach. Andere folgten dieser befreienden Linie, so A. Haug mit seiner Arbeit  über die Protokolle des Süddeutschen Verbandes für Homöopathie und Lebenspflege und B. Karrasch über 12 volksheilkundliche Laienverbände, bes. den Reichsbund (116). 

Über Heilpraktiker in jener elenden Zeit fand ich keine Beschreibung.- Damit der Abstand der damaligen Vereine zu uns heute recht augenfällig wird, führen wir einige Mitgliedszahlen an: -laut Zeitschrift "Hippokrates" (1943 S.219) hatte der Biochemische Bund (1936) etwa 180.000 Mitglieder (geschätzt), der Prießnitzbund = Deutscher Bund für naturgemäße Lebens- und Heilweise 120.000, der Hahnemannbund = Reichsbund für Homöopathie und Gesundheitspflege 48.000, der Kneippbund etwa 48.000, der Schüßlerbund 32.000; sicher gab es Doppelmitgliedschaften, und einige waren eingetragene Mitglieder, um nach außen "organisiert" und damit geschützt zu sein.- 

Verluste und Erneuerungen

Drei Neuerungen in den dreißiger Jahren können die demokratischen Verluste nicht wettmachen: 

-die halbamtliche Anerkennung der Homöopathie, indem Dr. W. Schwabes Arzneibereitungslehre (Pharmakopoe) in 2. verbesserter Auflage 1934 zum amtlichen Apothekenbuch bestimmt wurde (und es in der BRD bis zum neuen AMG 1976 blieb) (117); 

-die vier großen Reichstagungen, und zwar: im Mai 1935 Reichstagung der deutschen Volksheilbewegung in Nürnberg, im August 1937 in Düsseldorf  "Dies Volk muß gesund bleiben", im Juni 1939 Ähnliches in Stuttgart und im März 1941 in Weimar, die alle an die Erfolge etwa der Düsseldorfer "Gesolei" von 1926 anknüpfen wollten; nach dem ersten (Dresdener) Irisdiagnose-Kongreß 1932 wurde der einzig folgende in Nürnberg vom 28. bis 30.5.1936 erlaubt (laut Iris-Correspondenz 18. Jg./1936, 225 ff.); nach dem Scheitern der NDH war nur noch Universitätswissenschaft gefragt (118). 

-Dr.Gerhard Madaus (1890-1942) veröffentlichte 1938 sein "Lehrbuch der biologischen Heilmittel" in drei Bänden im Leipziger Thieme-Verlag, übrigens nach ausführlichen Befragungen und mit eigenen Nachweisproben ausgestattet, bis heute die umfangreichste Bestandsaufnahme der im deutschen Sprachraum gebräuchlichen Heilpflanzen und homöopathischen Tiefpotenzen, z.B. Diphtherie-Tierversuch mit Mercurius cyan.-Oplx. (Lehrbuch der biologischen Heilmittel Bd.I S.43). Mitgearbeitet hatte u.a. der Dresdener Heilpraktiker, Geburtshelfer und Kenner der Spagyrik Willy Rüdrich (1901-1986), seit Oktober 1952 in Metzingen, an der Indikationssammlung von Lilium tigrinum (S.1759) und Pulsatilla (S.2248). Er wurde zusammen mit seinem Bruder Dr. Karl Rüdrich (1899-1958) zurecht in den Jubiläumskatalog 1996 des DHM (Objekt Nr.10.38 bis 10.49) aufgenommen, denn an ihren Lebensläufen zeigt sich beispielhaft deutsche Medizingeschichte mit der politischen Teilung als ihrer Folge im 20. Jahrhundert.

Die Metzinger Vereinschronik berichtet über diese Zeit: "Im Zuge der Kriegsvorbereitungen wurde nicht nur der Westwall gebaut (dafür Baustopp im Ländle wegen Zementmangels), sondern auch geplant, dieBevölkerung des Rheintales und des Schwarzwaldes nach Württemberg zu evakuieren (für jedes Haus Zwangseinweisungen); außerdem wurden die Heilpraktiker, sonst teilweise im Reich "Naturärzte" genannt, mit Gesetz vom 17.2.1939 auf die Erhaltung der Volksgesundheit verpflichtet. Auch sonst  verlangte der Krieg von Anfang an spürbare Einschränkungen: die Mitgliederzahl betrug im August 1939 100 Seelen; Vortrag war erst wieder im März 1940 möglich; im September erhielten Vorstand und mehrere Ausschußmitglieder den Gestellungsbefehl, Herr Wilhelm Bauer mußte  ab 8.Oktober 1940 die Vereinsgeschäfte allein führen; da auf Anweisung des Reichsgesundheitsbundes der Beitrag auf 50  Pfg. heraufgesetzt wurde, verlor der Verein wieder Mitglieder."- 

Stifter Robert Bosch und die Homöopathie

Dauerhafter war das Gelingen des im Mai 1937 begonnenen Krankenhausbaus am Südhang des "Kalten Berges" auf Cannstatter Markung, das im April 1940 als homöopathisches Krankenhaus Stuttgart eröffnet wurde (119). Wie der Redakteur (und spätere Bundespräsident) Theodor Heuss in seiner Biographie über Robert Bosch (1861-1942) belegt, hielt der gesundheitsbewußte Konzernchef lebhaften Kontakt mit Immanuel Wolf (120). Robert Bosch hatte es auch dem gebürtigen Kirchheimer, in Philadelphia/USA ausgebildeten Dr.med. Richard Haehl (1873-1932) ermöglicht, den aus dem Bönninghausen'schen Rittergut in Darup geborgenen Nachlaß Hahnemanns zu sammeln und zu sichten (seit 1921); darauf gründet das in Stuttgart heute ansässige Bosch-Institut für Geschichte der Medizin (IGM), gegenwärtig geleitet von Prof. Dr. Robert Jütte

Zur Erweiterung der modernen Medizin im Interesse einer allen nützlichen  Übersicht finanzierte Robert Bosch den noch heute in Stuttgart aktiven Hippokrates-Verlag, der z.B. das vorbildliche "Lehrbuch der Phytotherapie" von Dr.  Rudolf Fritz Weiß ( 1895-1991) (s.u. in. Anm.24) seit 1944 in neun Auflagen gedruckt hat, aus dem  die Schwarzweißabbildungen für die Serie "Beiträge zur Heilpflanzenkunde unter besonderer Berücksichtigung der Homöopathie" in unserer alten Verbandszeitschrift "Homöopathische Monatsblätter" (ja, die mit dem Hahnemann-Medaillon auf gelbem Umschlag, auf den oft vor dem Austragen noch ein roter Programmzettel aufgeklebt wurde, etwa: Kartoffeln jetzt beim Schriftführer abholen - Anmeldung zum Ausflug bei Fr. Fine´ /Renova am Marktplatz) stammen. 

Dieser Wunsch, die Homöopathie werde in die erweiterte  Schulmedizin zurückkehren, bestimmte unkritisch auch noch die fünfziger Jahre, etwa als Direktor Hans Walz anläßlich der Einweihung des Schwesternwohnheims des neuen RBK am 12. Dezember 1957 in seiner Rede "Grundsätzliches zur Lage der Homöopathie" überzeugt war, daß die  "homöopathische Heilweise als ein Komplex biologisch erfahrbarer Wirklichkeit sehr wohl wissenschaftlich begründet, bewiesen und gelehrt werden kann, wenn auch nur in stufenweise fortschreitender Höherentwicklung" (121). 

Dieser Abschnitt war von illegalen Experimenten  ausgegangen. Wohlgemerkt: Menschenversuche sind kein besonderes Entartungsmerkmal von Diktaturen; leider kann die Fachliteratur, etwa für die Weimarer Republik das Lübecker Kindersterben nach BCG-Impfung (1930), auch z.B. für die USA bzw. die Nachkriegszeit eine viel zu große Anzahl ehrgeiziger Allopathieversuche benennen: Syphilis-Großversuch der US-Gesundheitsbehörden, 1932 begonnen (sog. Tuskegee-Studie über 200 Farbige), 1972 bekannt geworden usw. (122). Dabei ist der Skandal noch gar nicht angesprochen, daß ehemalige SA- oder SS-Mitglieder in der Adenauerzeit ungehindert öffentliche Ämter, etwa H.J.Sewering als Präsident der Bundesärztekammer, ausübten, und daß Mitbeteiligte an der NS-Mordmaschinerie, wie etwa Dr. Borm, der 1940/41 über 6.600 Geisteskranke zu ermorden half, wegen "unvermeidbaren Verbotsirrtums" 1974 freigesprochen wurden (123). 
 
 

Nachkriegszeit

Tendenzen der fünfziger Jahre: 
Wir ersehen daraus: die fünfziger und sechziger Jahre waren bestimmt durch 

1. Weitermachen wie bisher, insbes. im Wiederbeginn nach Bombardement, Verfolgung, Mangel der Kriegs- und Nachkriegszeit, was die Zivilbevölkerung ja ungleich härter als die direkt  kämpfende Truppe getroffen hatte. Die Besatzungsmächte erlaubten in ihren Zonen nur lokale Aktivität. Sauna war für Spießer, weil unbekannt, nur verwerflich ("mid soama wiaschda Nama!") (124) Unsere Vereinschronik hielt  folgende Fakten fest: "Mangel und Besatzung - Gesuch um Wiederzulassung im Frühjahr 1946 - amtliche Genehmigung am 6.2.1947 - für jede Veranstaltung eine eigene Erlaubnis einholen - um die Währungsreform Mai 1948 war Geld rar, Monatsbeitrag  30 Pfg.- Verbandszeitschrift gab es nicht - 1949 und 1950 konnte nicht viel unternommen werden - erster Ausflug per Bahn in die Stuttgarter Wilhelma -..." 

2. Erst nach Währungsreform (1948) und Grundgesetzverabschiedung (1949) waren weiträumige Strukturen möglich: Immanuel Wolf brachte mit Freiwilligen am 4.3.1951 die erste Nachkriegstagung der Hahnemannia zustande (125). Die Vorkriegszahlen wurden im geteilten Deutschland nicht wieder erreicht, ja, in der DDR mit Ambulatorien und rein naturwissenschaftlichen Krankenhäusern wurde der Homöopathiegebrauch so stark eingeschränkt, daß keine Homöopathen mehr ausgebildet wurden, die immer selteneren Behandler (von etwa 1200 auf 78, zuletzt noch 10) durften zuletzt fast nur noch Umschläge und Lehmpackungen anwenden. Ins Metzinger Heimatbuch (1959) wurde der Homöopathische Verein gar nicht erst aufgenommen: Homöopathen Kellerkinder ? 

Die inhaltlichen Debatten kreisten um Anerkennung, etwa in Form eines Lehrstuhls für Homöopathie, mindestens als Lehrauftrag wie vor dem Krieg in Berlin, ausgefüllt von Dr.med. Ernst Bastanier (1870-1953) (126),  oder  in Frankfurt/M. 1935 von Dr.med. Wilhelm Münch (1884-1970) (auf Veranlassung von Prof. Volhard) oder wie im Dresdener Sanatorium "Weißer Hirsch", wo  Prof. Manfred v. Ardenne (1907-1997) einzog und ein subventioniertes Institut (u.a.für Sauerstoffanwendung zur Krebs-Mehrschritt-Therapie KMT) leitete,  wo er schließlich 500 Mitarbeiter beschäftigte (127). 

Mit 12.000 Unterschriften gestärkt, unterzeichnete Hahnemannia-Präsident Karl Fischle 1965 einen solchen Antrag an den Stuttgarter Landtag, angeregt vom Bezirk Brenz - eine weitergehendeBegründung fügte Dr. Paul Mössinger, Heilbronn, an als Vorsitzender des Landesverbands der homöopathischen Ärzte (128). Einzelne nahmen die fast wie in eifernden Religionskriegen heftigen Rivalitäten zwischen Tief- und Hochpotenzlern wahr und entdeckten, daß erst die lehr- und lernbaren originalen täglichen Hochpotenzen Hahnemanns Arzneien in ihrer Fülle erschlossen; besonders hilfreich waren dazu Dr. Rudolf Flury und der unnachahmliche Dr. Adolf Voegeli (129), Schweiz, zu dem Patienten (damals gab es nur Radio, kein oder kaum TV und ebenso wenige Autos, von Talkshows gar nicht zu reden) aus ganz Süddeutschland angereist kamen. 

Heilpraktiker wurden mit Homöopathie gleichgesetzt, vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, wo Familientradition ("von Mund zu Ohr") noch gelebt wurde; Georg Nagel als beliebter Redner verglich die Potenzstufen mit Klaviertasten (130). Mahner wie Bernhard Aschner (1883-1960) und Paul Lüth (1921-1986) oder Hausärzte alten Stils wie August Heisler wurden erst in einer neuen Krise der Hochschulmedizin entdeckt. 

Aber alle Politikerversprechen waren nach der Wahl "Schall und Rauch"; die erstaunliche Zahl von Kliniken und Krankenstationen, die Homöopathie anboten (ihre Anzeigen füllten 1 bis 1 1/2 Umschlagseiten der "Homöopathischen Monatsblätter"), nahm ab; wer kennt noch, wer wurde behandelt in Krankenhäusern mit homöopathischer Abteilung wie 
-Kreiskrankenhaus in Backnang, 
-Naturheilklinik Odeborn in Berleburg, 
-St.Josefs-Krankenhaus in Bochum, 
-Waldhausklinik in Deuringen, 
-Kreiskrankenhaus in Freudenstadt, 
-Kreiskrankenhaus in Heidenheim, 
-Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke, 
-Ludwig-Noll-Krankenhaus in Kassel, 
-Krankenhaus Eben-Ezer in Lemgo, 
-Krankenhaus für Naturheilweisen in München, 
-Homöopathisches Krankenhaus in Offenbach, 
-Ketteler-Krankenhaus in Offenbach, 
-Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart ? 
Selbst das RBK, in dem ja Ärzte auch ausgebildet wurden, wenn auch in Auseinandersetzung mit der naturwissenschaftlich-kritischen Richtung innerhalb der homöopathischen Ärzteschaft, schloß nach einer Generation und transplantiert heute im neuen Haus Organe (131). 

Der scheinbar unaufhaltsame, magisch alles versprechende Zug von Antibiotica, dann Cortison und Antibabypille, zuletzt die Verrechtlichung auch des Medizinsektors (132) und die ungemein gewachsenen Geldsummen des Krankenversicherungsbereichs ließen die Homöopathen völlig antiquiert, ja unseriös erscheinen, bis illegale Drogen neben Schulhöfen gehandelt wurden, bis allopathische Arzneischäden und eine Chronifizierung der Wohlstandserkrankungen in eine unbezahlbare Ausbildungskrise, ja Existenzzweifel mündeten: Contergan wurde zum geflügelten Stichwort dieser Irrung und Menetekel für Machbarkeitswahn und Verzicht auf Heil-Mittel (definiert als 1.Wiederherstellung des Unversehrten und 2. narbige Abheilung): auf ihrer Titelseite vom 12.6.1987 mit dem Stichwort "Maschinenherz" schreibt die Hamburger ZEIT: "Vier Monate nach dem Einpflanzen eines Kunstherzens ist in Berlin der Empfänger, ein 52jähriger Mann, gestorben...'Das störungsfrei funktionierende Kunstherz wurde gestoppt' - so heißt es wörtlich in einer Stellungnahme.... Eine makabre Situation: Die Technik erfüllt alle in sie gesetzten Erwartungen, aber der menschliche Körper versagt.... Eine Maschine wurde abgeschaltet-oder ein Mensch? Die Antwort darauf fällt schwer. Doch dies enthebt uns nicht der Pflicht, sie zu suchen." Einzig die Chirurgen, die mit immer feineren Geräten in die Grenzzone von Leben und Sterben eindringen, werden in unserer immer hektischeren Auto- und Freizeitwelt unverzichtbar und behalten den Nimbus des "Halbgottes in Weiß". Homöopathische Ärzte gab es nach dem verlorenen Krieg wenige. Die Hahnemannia veröffentlichte immer wieder Suchanzeigen (133). 

Prozesse um Kostenerstattung gingen frustrierend verloren. Erst eine vom Krieg unbelastet aufgewachsene Generation konnte ruhig urteilen. Andererseits ließ sie sich  von der Idee einer unbegrenzten Machbarkeit überwältigen; fast ungehemmt gab sie den Begriff des Heilmittels preis und gebrauchte fast nur noch Apparate, Antibiotica und stark wirksame, bis in Abhängigkeit reichende Arzneien (eigentlich nur für Akut- und Notfälle gedacht) wie Cortison und Valium, bis die Mißbrauchsfolgen alles Bekannte übertrafen, Erreger resistent wurden und die Pathologie im Zuge des Verbraucherschutzes Arzneischäden, z.B. durch Kopfschmerzmittel irreparable Nierenschäden wie die sog. Phenacetin-Niere, lehren mußte, bis der Heidelberger Medizinstatistiker Dr. Ulrich Abel in seiner Bestandsaufnahme 1990 schrieb:  "Auch heute noch, nach mehreren Dekaden intensiver  klinischer Therapieforschung an zytostatischen Substanzen, fehlt für die allermeisten Krebse jegliche Evidenz dafür, daß die mit diesen Substanzen durchgeführte  Krebsbehandlung in ihrem Hauptanwendungsbereich, nämlich bei fortgeschrittenen Krankheitsstadien, überhaupt einen günstigen Einfluß auf die Lebenserwartung ausübt. Die gemeinhin verbreiteten Erfolgsmeldungen sind, was die epithelialen Krebse betrifft, zumindest irreführend." (134) 

Dr. Abel als Mitarbeiter des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg und Kommissionsmitglied des BGA zur Beurteilung von Statistiken über Homöopathie, Phytotherapie usw. muß es wissen; dann aber bleiben Vermeiden und alte, ungiftige Rezepte wie die Saftkur von Rudolf Breuß usw. weiterhin im Gespräch der Heilkunde, denn schon der zweite Issels-Prozeß (ab Juni 1961) hatte die unverzichtbare Bedeutung der unspezifischen Kräfte betont. 

Die Laienvereine hielten durch ihre heroische Nachfrage homöopathische Arzneien lebendig; wesentlich waren Heilpraktiker, als das Behandeln im Umherziehen verboten wurde (um Massenaufläufe wie im August 1949 zum 'Traberhof' nahe Rosenheim/Bay. zu vermeiden, wo Tausende von Bruno Gröning (1906-1959) Wunderheilung erwartet hatten), wie der Franziskanerpater Innozenz (1903-1984) in Rottweil/N. mit seiner seherischen Begabung; sie schrieben meist Komplexmittel auf; das Beobachten und Vergleichen der Irisphänomene (sog. Iris-Diagnose) nach J. Angerer, J. Deck , M. Madaus-Flink , A. Maubach und Rud. Schnabel war ihre wichtigste Diagnosemöglichkeit (135). 

Für die Kriegs- und Nachkriegsjahrgänge mit Sechstagewoche waren Lernen vom Nachbarn, einfache Ausflüge und regelmäßige Geselligkeit im Überschaubaren bestimmend. Freilich klagte die Verbandsleitung immer wieder über Nachwuchsmangel; Männer  dominierten das öffentliche Auftreten, zumindest waren sie eindeutig überrepräsentiert, denn die ganz große Mehrzahl waren und sind Hörerinnen bzw. Patientinnen - und Schreibunlust wurde schon 1882 beklagt (136). 

In Heft 9 S.194 des 96. Jahrgangs/1971 steht als Ergebnis einer Leserumfrage vom Februar über die Berufe der LeserInnen: alle Schichten, aber 10% sind Hausfrauen, jeweils 8% Angestellte und Techniker, Ingenieure und kaufmännische Berufe, 6% pädagogischeBerufe, 3% Heilberufe, 5% Handwerker, 5% Gärtner und Landwirte, 5% Beamte,